Donnerstag, 29. Juni 2017

Mein Leben mit Büchern

Vor kurzem hat mich ein Post bei Facebook auf die Idee gebracht, mir einmal zu überlegen, wie sich mein Leseverhalten und die Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe, verändert haben. Was habe ich als Kind, junges Mädchen, junge Frau gelesen? Was interessiert mich heute? Welche Bücher haben mich nachhaltig beeindruckt? Es fiel mir auf, dass es gar nicht so einfach ist, nachträglich nachzuvollziehen, was man alles gelesen hat. Zumal ich auf stolze 45 Lebensjahre zurückblicke, von denen ich mindestens 35 mit Lesen verbracht habe.

Mein Kater Jimmy im Jahr 2004 vor einem Teil meiner damaligen Bücher

Bei meinen Überlegungen herausgekommen ist folgende Liste. Die meisten der dort genannten Bücher würde ich auch heute noch jedem empfehlen.

1975 - 3 Jahre
1972 - 1977 / 0 - 5 Jahre

Als Kind bekam ich schon sehr früh von meiner Mutter vorgelesen. Ich erinnere mich an ein dickes Buch mit 365 Geschichten - Für jeden Tag eine. Aus der Pixie-Bücher-Serie war es Trudi und Teddy, dazu finde ich leider nicht mal mehr ein Foto im Internet. Sobald ich selbst lesen konnte, kamen die Bücher von Pitje Puck, dem spaßigen Postboten dazu. Die Serie von Autor Henri Arnoldus umfasste damals so viele Bücher, dass sie das ganze Regal über meinem Fenster füllten. Heute gibt's die Reihe wohl nur noch auf Ebay. In guter Erinnerung ist mir auch noch das Kindermagazin "Bussy Bär" geblieben, das ich mit Begeisterung gelesen habe.


1981 - 9 Jahre
1978 - 1982 / 6 - 10 Jahre

Ich konnte schon vor der Einschulung lesen. Ich wollte wissen, was diese komischen Zeichen in den Büchern meiner Mutter bedeuten und habe so lange gefragt, bis sie für mich einen Sinn ergaben. Also habe ich auch schon früh ganze Bücher gelesen. In diesem Alter gehörten Britta und Ihr Pony von Lisbeth Pahnke zu den Buchreihen, die mich am meisten beeindruckt haben. Noch heute erinnere ich mich an die traurige Geschichte, in der Britta ein zweites Pferd aufnahm, das sich später als sehr krank herausstellte. Meine ersten Tränen ausgelöst durch ein Buch. Später kamen Cora-Hefte hinzu. Besonders erinnere ich mich an eine Geschichte eines gehörlosen Jungen, der sich in die neue Schülerin aus seiner Klasse verliebt.


1983 - 11 Jahre

1983 - 1986 / 11 -14 Jahre

Ein Bekannter meiner Eltern las zu dieser Zeit massenhaft Westernromane, die Hefte hortete er in seinem Keller. Ich habe sie alle mit großer Begeisterung gelesen. Meine ersten englischen Bücher kamen hinzu, meistens Schullektüre, ich erinnere mich an Sherlock Holmes, The Speckled Band. Langsam begann ich auch das Buchregal meiner Mutter für mich zu entdecken, die ersten Romane von H. G. Konsalik kamen hinzu, darunter "Frauenbatallion", "Kosakenliebe" und "Wer stirbt schon gerne unter Palmen". Zum ersten Mal verliebt war ich in Pater Ralph de Bricassart aus "Die Dornenvögel" von Colleen McCollough. Mehr als im Schulunterricht lernte ich über die Geschichte der USA durch die Bücher von John Jakes "Chronik der Kent Familie" und "Die Erben Kains".

Mit vierzehn versuchte ich mich an meinem ersten eigenen Roman und schrieb eine Liebesgeschichte, die in Hawaii spielte. Ich weiß noch, dass die Partnerin des Protagonisten bei ihrem gemeinsamen Auftritt am Hochtrapez im Zirkus ums Leben gekommen war. Schon damals hatte ich einen Hang zur Dramatik...


1988 - 16 Jahre
1987 - 1993 / 15 - 21 Jahre

Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mir das Buch "Die Farbe Lila" von Alice Walker zum 15. Geburtstag schenken wollte. Sie hat das es zuerst selbst gelesen und dabei festgestellt, dass die darin verwendete Sprache ziemlich rau war. Das war das erste und einzige Mal, dass meine Mutter gezögert hat, mir ein Buch zu geben, weil sie nicht sicher war, ob das für mein Alter angemessen sei. Ihre Lösung: Sie hat es mir erzählt, ins Buchregal gestellt und gesagt: "Schenken werde ich dir das nicht, aber wenn du es lesen willst, da steht es." Natürlich habe ich es gelesen! ;)
Außerdem entdeckte ich damals Pearl S. Bucks "Die Gute Erde" für mich, was für eine Weile meine Liebe zu Romanen vor chinesischem Hintergrund weckte. Vielleicht wurde dadurch meine Faszination so sehr geweckt, dass ich später selbst eine Zeit in diesem Land leben würde?
Weitere Bücher, an die ich mich erinnere: "Der König der Bernina" von Jacob Christoph Heer, "Die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer Bradley und weitere zahlreiche Konsalik-Bücher. (Es ist übrigens unfassbar, wie viele Bücher dieser Mann geschrieben hat.) Das Buch "Ein Mensch namens Jesus" von Gerald Messadié beeinflusste nachhaltig meine Einstellung zum christlichem Glauben.

1994 - 22 Jahre

1994 - 1998 / 22 - 26 Jahre

Lange beschäftigt hat mich eine Eiszeit-Roman-Reihe, die "Urzeit-Saga" von William Sarabande. Ausgelöst durch Jean M. Auels "Ayla und der Clan des Höhlenbären" suchtete ich mich durch alles, was zum Thema Steinzeit finden konnte. James Clavell's Bücher "Shogun" und "Noble House" faszinierten mich ebenfalls, sie führten mich thematisch auch wieder nach Asien. 1995 erschien das erste Buch der heute so bekannten und beliebten "Outlander"-Reine von Diana Gabaldon. Ich war Fan der ersten Stunde und habe alle Bücher gelesen. Nach Pater Ralph war nun Jamie Fraser meine heimliche Liebe. Ebenfalls in meinem Buchregal landeten Bücher von Iny Lorentz, Rebecca Gablé und Stephen King, der einen Großteil meiner Lesezeit für sich beanspruchte.

1999 - 27 Jahre

1999 - 2002 / 27 - 30 Jahre

Mittlerweile lebte ich in Peking, wo ich im Alter von 25 Jahren hinzog und vier Jahre blieb. Doch immer noch beeinflusste meine Mutter auch meine Buchauswahl, denn wir teilten uns alles, was wir lasen. Sie kaufte in Deutschland ein, las die Bücher selbst, und schickte sie mir dann nach. In meinem Buchregal fanden sich zu dieser Zeit relativ viel Schicksalsberichte wie z. B. "Nicht ohne meine Tochter" von Betty Mahmoody oder "Die Asche meiner Mutter" von Frank McCourt. Auch "Wüstenblume" von Waris Dirie gehörte dazu. Aber auch historische Romane fesselten mich nach wie vor, darunter "Der Medicus" von Noah Gordon oder "Die Säulen der Erde" von Ken Follett. David Baldaccis Thriller "Der Präsident" und "Die Versuchung" kamen dazu, ein Genre, das ich bis dahin noch gar nicht erkundet hatte. Auch Fantasy rückte in meinen Focus mit der Eragon Reihe von Christopher Paolini. Ich erinnere mich, dass ich fasziniert davon war, dass ein Jugendlicher solche Bücher zu schreiben im Stande war. Auf meiner Australienreise begleiteten mich "Traumzeit" von Barbara Wood, in dem die Protagonistin ähnliche Gegenden wie ich bereiste - nur viele Jahre früher.


2003 - 31 Jahre

2003 - 2007 / 31 - 35 Jahre

Die Vampire fingen mir an, ans Herz zu wachsen. Besonders durch die Bücher von Anne Rice wurde diese Leidenschaft geweckt, die bis heute anhält. Immer noch war Stephen King sehr präsent in meinem Buchregal, von ihm las ich jetzt auch Bücher im Original. "Insomnia", "The Stand" und "Misery" gehörten dazu. Eine neue Buchreihe packte mich, als ich Anne McCaffreys Bücher über die "Drachenreiter von Pern" entdeckte. Ich erstellte meine ersten Buchlisten, um den Überblick über die komplizierte Chronik zu behalten, an der die Autorin und später auch ihr Sohn schrieben. Ich las "Die Geisha" von Arthur Golden und "Vom Glück nur ein Schatten" von Uwe-Karten Heye, der als Leiter des Generalkonsulats in New York damals auch gleichzeitig mein Chef war. 

2013 - 40 Jahre
2008 - 2012 / 36 - 40 Jahre

Mit der Twilight Reihe von Stephenie Meyer war ich endgültig den Vampiren verfallen. Es folgten die erwachseneren Reihen wie die Black Dagger Brothers von J. R. Ward, die Herren der Unterwelt und die Atlantis Reihe von Gena Showalters, Alexis Morgans Paladin Reihe, Charlaine Harris' Sookie Stackhouse Bücher, Kresley Coles Immortals After Dark, Lara Adrians Midnight Breed, die "Fever" Reihe von Karen Marie Moning. Statt meiner Mutter hatte ich nun meine Freundin, mit der ich mir die Bücher teilte und wir lasen meistens die englischen Originalausgaben, weil wir nicht auf die deutschen Übersetzungen warten wollten.
Im drastischen Gegensatz zu den Ernährungsformen meiner Protagonisten wurde ich selbst ernährungsbewusster und startete mit dem Buch "Anständig Essen" von Karin Duve meinen Weg zum Veganismus.

2015 - 43 Jahre

2013 - heute / 41 Jahre und älter

Mit dem plötzlichen Tod meines Vaters geriet ich in eine Leseflaute, die sehr lange anhielt und bis heute nicht völlig überstanden ist. Ich lese heute langsamer, seltener und - leider - zumeist auch weniger begeistert. Die Gründe dafür sind vielfältig und gehören nicht hier hin. Aber das Ergebnis war, dass mir das Lesen so sehr fehlte, dass ich selbst mit dem Schreiben anfing. Und so wurden die Bo'othi im Jahr 2014 erschaffen und beschäftigen mich bis heute.
Inzwischen lese ich auch wieder, jetzt, wo ich von der Existenz von Selfpublishern und Kleinverlagen weiß, hauptsächlich Indie-Autoren. Die hier aufzuzählen, wäre denjenigen gegenüber unfair, die ich nicht aufzähle, darum belasse ich es dabei, vor allem eine zu nennen: Romana Grimm. Sie war diejenige, die mich dazu inspiriert hat, selbst zu schreiben, weshalb ich ihr immer dankbar sein werde.
Zur Zeit lese ich übrigens die Bücher von George R. R. Martin, der natürlich kein Selfpublisher ist, aber wer mich schon länger kennt weiß, dass ich zum absoluten Game of Thrones Nerd geworden bin. Das muss also einfach sein.



Die meisten meiner Bücher habe ich Anfang der 2000er an deutsche Gefangene in US-amerikanischen Gefängnissen gespendet. Ich selbst lese heute nur noch E-Books. Auch wenn ich manchmal neidisch auf die Buchregale anderer schiele, erkenne ich die Vorteile eines E-Readers und habe mich komplett darauf umgestellt.

Kommentare:

  1. Guten MorgääÄhhhhhn...

    Du hattest Recht, die meisten Bücher kannte ich schon. Hi, hi, es waren aber auch unbekannte dabei.

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    1. Huhu, ich hoffe, du musst nicht gähnen, weil mein Artikel so langweilig war. lach Für mich selbst war es jedenfalls eine spannende Reise in die eigene Vergangenheit. :)

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