Freitag, 16. Juni 2017

Muss man die vorherigen Bände lesen, um Dein neues Buch zu verstehen?

Die klare Antwort darauf: Jein!


Der erste Band der Bo'othi Reihe: Verlorener Stern

Es ist ein Phänomen, das sich nur schwer erklären lässt:
Da gibt man sich als Autorin große Mühe, Bücher zu schreiben, die - obwohl Teil einer ganzen Reihe - einzeln ohne Vorkenntnisse der anderen Bände gelesen werden können. Der Grund dafür war nicht, dass ich nicht möchte, dass jemand die ganze Reihe liest, sondern der, dass ich mich selbst als Leserin schon oft geärgert habe, wenn ich aus Versehen einen Folgeband einer Reihe erwischt hatte, ohne es zu ahnen und erst während des Lesens feststellen musste, dass ich überhaupt nicht ins Buch finden konnte, weil es eben eine Serie war.

Das wollte ich bei meinen Büchern verhindern und habe darum alle Informationen, die benötigt werden, sorgfältig in den  Text mit eingebunden, ganz unauffällig erfährt so auch der neue Leser alles, was er wissen muss, um das vorliegende Buch zu verstehen. Auch im Lektorat wird noch einmal extra darauf geachtet, dass neue Leserinnen nicht hängen gelassen werden und unverständliche Dinge auf jeden Fall erklärt werden.

Bei der Veröffentlichung weise ich immer darauf hin, dass die Bücher der Reihe selbständig gelesen werden können, aber natürlich auch, dass das Lesevergnügen in der richtigen Reihenfolge selbstverständlich das größere sein dürfte.

Foto: Pixabay


Und dann kommen die ersten Rückmeldungen, die sich in zwei große Gruppen aufteilen:
Leserinnen der ersten Gruppe betonen, dass das Buch problemlos zu verstehen ist, auch wenn man die vorherigen Bücher nicht gelesen hat.
Leserinnen der zweiten Gruppe behaupten das genaue Gegenteil, manchmal wird sich sogar darüber beschwert, dass man Probleme hatte, in das Buch hineinzufinden, weil man sich erst einmal an den vorherigen und viel zu lange zurückliegenden Band erinnern musste.

Und das besonders Faszinierende daran:
Die erste Gruppe hat durchweg die vorherigen Bände nicht gelesen. Sie stoßen beim Lesen des Nachfolgebands auf keinerlei Verständnisprobleme. Sie lesen unvoreingenommen und erleben genauso ahnungslos wie die Protagonisten, was im Verlauf des Buchs geschieht, bis sie am Ende der Geschichte alles erfahren haben, was die Reise der Helden im Buch erklärt.

Die zweite Gruppe hingegen sind fast immer die, die die Vorgängerbände schon gelesen haben. Sie kritisieren, dass für jemanden ohne ihre Vorkenntnisse das Lesen des neuen Bandes nicht möglich sei.

Wie kommt das nun? Warum entsteht diese Diskrepanz zwischen wiederkehrenden und neuen Leserinnen?

Meine Theorie, die sich im übrigen auch außerhalb von Buchreihen auf das grundsätzliche Leseerlebnis eines jeden Buchs bezieht: Jede Leserin geht mit bestimmten Erwartungen an eine neue Lektüre heran. Diese Erwartungen sind umso präziser, wenn bereits vermeintliche Vorkenntnisse über das Buch existieren. Egal ob es dabei um eigene Lebenserfahrungen geht, die sich auf ein bestimmtes Thema im Buch beziehen, man filtert automatisch beim Lesen das heraus, was man kennt, wo man einen Bezug zu hat. Im Fall meiner bisher erschienen Bücher erwarten sie also, dass die Protagonisten und deren Erfahrungen aus vorherigen Bänden eine wichtige Rolle spielen müssen.

Foto: Pixabay


Genau das ist aber gar nicht der Fall. Die Protagonisten aus den vorherigen Bänden spielen allenfalls Nebenrollen, in den Büchern geht es immer vor allem um ein Paar, dessen Liebesglück im Vordergrund steht. Die Entwicklung des Volks der Bo'othi ist eine Randgeschichte, die auch später nachgeholt werden kann, wenn das Interesse geweckt wurde.

Einzig winzige Spoiler, die darauf hinweisen, dass es in meinen Büchern immer ein Happy End gibt, auch wenn es noch so aussichtslos aussah, konnte ich nicht vermeiden. Aber ich mache auch grundsätzlich keinen Hehl daraus, dass ich Bücher mit Happy End schreibe. Wie dieses erreicht wurde, wird nur im betreffenden Band verraten.

Was ich nun aber als Autorin daraus gelernt habe, ist folgendes: Egal wie viel Mühe man sich gibt, Bücher so zu schreiben, dass sie allein gelesen funktionieren, es wird immer Leserinnen geben, die das anders empfinden. Denn jeder liest nicht nur mit den Augen, sondern vor allem mit dem Herzen. Wir nutzen Verstand und Gefühl, fügen beides zu einer großen Kulisse zusammen und erleben so - jeder für sich das - das Buch ganz individuell. Und ein Text, egal von wem geschrieben und mit welcher Intention, wird immer vor dem eigenen Hintergrund interpretiert.

Foto Pixabay


Die Bo'othi sollen irgendwann zu einem Finale finden, in dem sich auch Probleme lösen, die sich durch alle Bände ziehen. Und um dort hinzukommen, wird es nach dem zweiten Band die Aussage, dass Bücher alleinstehend gelesen werden können, nicht mehr geben. Beginnend mit der Novelle "SternSplitter", die noch in diesem Jahr erscheinen wird, werde ich ausdrücklich empfehlen, die vorangegangenen Bände zu lesen. SternSplitter wird konkret auf dem ersten Teil der Novelle, die im vergangenen Jahr unter dem Namen "SternRegen" veröffentlicht wurde, aufbauen. Das Paar, das wir dort schon kennengelernt haben, erhält ein weiteres Kapitel in seiner Beziehung und die Erlebnisse aus SternSplitter werden erheblich zur Entwicklung des Bo'othi Volks beitragen.

Nach dieser Novelle sind noch mindestens zwei weitere Bände in Planung. Ich kann also nur jedem, der die Bo'othi ohnehin kennenlernen wollte, sich auf die bisher erschienen Bücher zu stürzen. Denn wenn es weitergeht, benötigt Ihr Vorkenntnisse als wiederkehrende Leserinnen.

Im übrigen plane ich für die Vergesslichen unter uns eine Rubrik "Was bisher geschah" auf meiner Webseite einzubauen. Dieser Bereich wird passwortgeschützt sein, kann also nur gelesen werden, wenn es ausdrücklich gewünscht wird. Dort werde ich Inhaltsangaben der bisher erschienenen Bände zur Verfügung stellen, sodass alle, die ihre Erinnerung auffrischen können, ohne die Bücher noch einmal lesen zu müssen. Das Passwort und den Zugang werde ich in den kommenden Büchern der Geschichte voranstellen. Ob und wer das Angebot dann tatsächlich wahrnimmt, ist jeder Leserin selbst überlassen.

Bisher in der Bo'othi Reihe erschienen (Reihenfolge von links nach rechts):
Verlorener Stern, SternRegen, Verlassener Stern
Alle Informationen auf einen Blick: www.monasilverautor.com


Ich hoffe, dass ich damit allen ein klein wenig dabei helfen kann, sich ein bisschen besser im Bo'othi Universum zurechtzufinden. Ich gehöre nicht zu den Autorinnen, die Bücher in Rekordzeit schreibt, eine Pause von einem Jahr zwischen den einzelnen Bänden ist Minimum, denn ich möchte meine Arbeit auch gut machen und so für ein befriedigendes Leseerlebnis auf allen Seiten sorgen.

Habt Ihr die Bücher bereits gelesen? Oder nur einen Band? Wie ist eure Meinung dazu? Ich bin gespannt, was Ihr zu sagen habt!

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