Sonntag, 7. Mai 2017

Game of Thrones Tour Island: Winter is coming

Viele von euch haben es sicher mitbekommen: Ich war Ende April in Urlaub und habe zehn Tage in Island verbracht. Viele haben mich ziemlich entsetzt angesehen und nicht ganz zu unrecht gefragt, wie man auf die Idee kommt, zu einer solchen Jahreszeit ausgerechnet nach Island zu fliegen. Gerade wenn hier die ersten Frühlingsgefühle aufkommen, packe ich die Wintersachen wieder aus und fahre in eine Gegend dieser Erde, wo es bei 0-5°C noch arg winterlich ist. Aber, das hatte auch seine Vorteile, denn anders als im Sommer ist Island um die Jahreszeit noch nicht völlig von Touristen überlaufen.

Es ist so kalt, dass der Dunst des Wasserfalls auf den Felsen zu Eis gefriert.

Und mit dem Wetter hatten wir auch mehr als Glück, trotz des Regens, Schnees, Hagels und Sturms hatten wir zwischendrin immer wieder Sonnenschein oder zumindest so trockenes Wetter, dass wir wandern gehen und die wirklich atemberaubende Landschaft Islands genießen konnten. 

Die ist nämlich so atemberaubend, dass nicht nur Touristen immer mehr auf den Geschmack kommen, sondern auch die Filmindustrie. Und so kam es, dass wir - als Geschenk für mich zu meinem Geburtstag - am 24. April auf große Game-of-Thrones-Tour gingen. Organisiert von dem Reiseveranstalter "Greyline" führt diese achtstündige Tour namens "Game of Thrones revisitet" mit Guide an Drehorte, die zur Produktion der beliebten TV-Serie genutzt wurden. 

Blauer Himmel - den ganzen Tag lang. Mein schönstes Geburtstaggeschenk

Der Tag fing etwas merkwürdig an, doch unsere Angst, dass die Startschwierigkeiten ein böses Omen sein könnten, war unbegründet. Zunächst einmal mussten wir uns mit eingefrorenen Wasserleitungen in unserer Ferienwohnung herumschlagen. Die wenigen Tropfen, die noch in der Leitung hingen, waren schnell verschwendet, ehe wir realisierten, da ist nichts mehr übrig. Da wir früh aufbrechen mussten, um unsere Tagestour rechtzeitig zu erreichen, war nicht genug Zeit, um den Vermieter um Hilfe zu bitten. Ich schrieb ihm also eine SMS mit der Bitte, sich doch im Laufe des Tages zu kümmern, aber wir standen noch immer ohne Wasser da. Zum Zähneputzen musste also der Rest aus meiner Trinkwasserflasche vom Vortag reichen. Für die Klospülung kletterte ich hinterm Haus über den Zaun und schöpfte aus dem Bach, der dort verläuft, drei Eimer voll Wasser. Es hatte irgendwie etwas Abenteuerliches, wie ich da so wie in alten Zeiten Wasser aus der freien Natur holte. Island hat sehr sauberes Wasser. Das Leitungswasser ist glasklar und trinkbar, ob das aber für diesen Bach auch galt, wussten wir nicht. Darum verkniffen wir uns, damit mehr als Katzenwäsche und Klospülung zu erledigen und machten uns nur halbwegs sauber auf den Weg. 

Zunächst war dann aber noch die Handbremse unseres Autos eingefroren, was sich aber zum Glück nach wenigen Minuten mit laufendem Motor von selbst erledigte. Schuld an den eisigen Zuständen war der klare Himmel. Wir hatten strahlend blauen Himmel und Sonnenschein, die bis dahin schützende Wolkenschicht hatte eindeutig für wärmere Temperaturen gesorgt, aber dafür wurden wir mit wunderbarer Fernsicht belohnt. Unser Guide, Theo, nannte dieses Wetter "Window weather - you stay inside and watch the beauty". Und dieses Wetter blieb uns den ganzen Tag treu, als einzigen Tag der gesamten Tour, war es ein einziger, strahlender, bitterkalter Sonnentag. 

Theo der Guide


Unser Guide, Theodór Árni Söebech Hansson, empfing uns am Reisebus in voller Montur eines "Knights of the Night Watch". Er ist Schauspieler und hat bei den Dreharbeiten zur Serie als Statist mitgespielt, wo er unter anderem einen Wildling, einen Knight of the Night Watch und einen White Walker gespielt hat. Bitte entschuldigt, wenn ich die Bezeichnungen aus der Serie auf Englisch nenne, da ich die Serie, das Buch und auch diese Tour nur auf Englisch gesehen/erlebt habe, weiß ich nicht, wie diese Figuren in der deutschen Fassung wohl genannt wurden, aber ich denke, Ihr werdet euch schon euren Reim darauf machen. 

Theo - als Tour Guide in der Uniform der Night Watch Bruderschaft und in Filmszenen (hinter dem Feuer stehend und während eines Schwertangriffs)

Islandpferde


Theo führte uns zunächst zu einer Pferderanch, wo Islandpferde gezüchtet und vermietet werden. Hier stammten die meisten Pferde her, die bei den Dreharbeiten in Island ihren Auftritt hatten. Nun werdet Ihr vermutlich mit dem Kopf schütteln... Islandpferde - das sind doch Ponys, die Leute bei GoT reiten auf "richtigen" Pferden. Erstens: Lasst das mit dem Pony nie einen Isländer hören. Das Islandpferd trennen laut isländischer Pferdekenner durchschnittlich vier Zentimeter vom Pony, dementsprechend gehört es zu den "richtigen" Pferden. Und zweitens: Die Isländer nehmen die Sache mit ihrer ganz eigenen Pferderasse sehr ernst. Kein Pferd, das nicht auf der Insel geboren wurde, darf jemals ein Huf auf die Insel setzen. So halten sie Krankheiten aus dem Land und die Zuchtlinie sauber. Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter: Sobald ein Islandpferd die Insel verlässt, darf es nie wieder zurückkehren. 

Islandpferd - nicht Pony!

Da wurde auch für die Dreharbeiten keine Ausnahme gemacht und so kam es, dass sich die Filmemacher einem Problem gegenüberstehend wiederfanden: Die erste Staffel hatte lauter große, stattliche Rösser, auf denen auch ein Riese wie der "Hound" oder der "Mountain" reiten konnten. Und nun standen sie vor den kleinen Islandpferdchen, die zwar kräftig und willig waren, aber bei denen dem Hound die Füße auf dem Boden schleiften... Die Lösung? Perspektive! Die Pferde werden nie ganz auf dem Bild gezeigt, man sieht entweder Kopf oder Beine. Einzige Ausnahme: Das weiße Pferd, auf dem Arya reitet, nachdem sie sich von Hound getrennt hat. Das war ein echtes Islandpferd ganz im Bild, wenn auch ein sehr großes.

Nach dem Besuch bei den Pferden, die sich über unsere Streicheleinheiten und vom Stallbesitzer zur Verfügung gestelltes trockenes Brot gefreut hatten, fuhren wir weiter zur zweiten Station unserer Tour. 

Drachen in Sicht


Diesmal machten wir Halt an einem wunderschönen Wasserfall. 

Wer erinnert sich an die Szene, die hier gedreht wurde?
Im Video unten könnt Ihr die spätere Szene aus dem Film sehen!

Hier wurde eine Szene aufgenommen, die ich - und viele andere wohl auch - gleich vor Augen hatte, als wir drauf hingewiesen wurden: Der Ziegenhirte, der an einem Wasserfall sitzt und seine Ziegen bewacht, als plötzlich Drogon, Daenerys Drache vor ihm auftaucht und seine Ziegen reißt. 


The Bloody Gate vor Castle Eyrie


Weiter ging es durch die endlos scheinende Weite Islands zu unserem nächsten Halt. Der "Thingvellir Schlucht". Hier stoßen die tektonischen Platten Europas und Nordamerikas zusammen. Jedes Jahr driften sie ca. vier Zentimeter weiter auseinander, wodurch der Riss in der Erdoberfläche entstanden ist, der nun so breit ist, dass man hindurchlaufen kann. Und hier wurden für die Serie gleich mehrere Szenen verwirklicht. Eine davon war, als der "Hound" Arya zu ihrer Tante Lysa nach Castle Eyrie bringen will. Dazu müssen sie das "Bloody Gate" durchqueren, ein riesiges Bauwerk, das in einer Schlucht steht und Eindringlinge aus dem Arryn Valley fernhalten soll. Schwer bewacht von bewaffneten Wachleuten gibt es keinen anderen Weg zur Burg der exzentrischen Frau, von der sich "Hound" eine satte Belohnung für die Rettung Aryas erhofft. Als sie dort ankommen, erfahren sie von einem der Wachleute, dass Lysa Arryn vor zwei Wochen verstorben ist. Sie stürzte durch die "Moon Door" in die Tiefe. Arya, die überhaupt keine Lust hatte, bei ihrer Tante abgegeben zu werden, bricht daraufhin in lautes Lachen aus, während "Hound" aussieht, als hätte ihm das Leben mal wieder einen Arschtritt verpasst. 

Szenen aus dem Film

und wie es im echten Leben aussieht.
Unser Guide Theo war übrigens einer der Wachen oben auf dem Rand der Schlucht. 

Wildlings greifen eine Siedlung an und ich werde erstochen


Als nächstes führte uns die Reise - nach einer kurzen Mittagspause und den wirklich sehr unterhaltsamen Hintergrundanekdoten, die Theo während der gesamten acht Stunden mit seiner angenehm tiefen Stimme zum Besten gab - zu einer alten Siedlung mit grasüberwachsenen Hütten im Thjorsardalur Valley. Hier wurde der Überfall der Wildlings auf eine Siedlung gedreht, bei der Olly, ein Junge, der später bei den Männern der Night Watch auf Castle Black lebt, als einziger Überlebender mit einer Nachricht zu den "Crows" geschickt wird: Die Wildlings kommen! 

Die Siedlung im Kampfgetümmel (l) - Ein Thenn droht Olly (m) - Angriff! Ganz rechts Theo, unser Guide im Bild (r)
Für den Film wurden hier noch ein paar mehr Hütten aufgebaut, im Sommer kann man das Vikinger Dorf auch besuchen und in die Hütten hineingehen. Jetzt, im Winter, mussten wir draußen bleiben, was Theo aber auszunutzen wusste. Nicht ganz freiwillig wurde ich sein Opfer, um an mir zu demonstrieren, wie im Film getötet und gemetzelt wird. Ich wurde mit dem Schwert niedergestreckt, mit Fäusten malträtiert und die Kehle wurde mir mit einem Messer aufgeschlitzt. Und das alles an meinem Geburtstag! 

Die kleine Vikingersiedlung und meine Kampfausbildung. Es hat sich wohl noch nie jemand so gefreut, mit dem Schwert erstochen zu werden... Ich sollte das mit der Schauspielkarriere definitiv noch einmal überdenken... ;)

Bonus


Als letztes gab es noch einen Bonus-Stop auf dem Heimweg. Dies war kein Drehort der Tour, aber ein wunderschöner Wasserfall, der auf dem Weg lag. Da wir nur eine kleine Gruppe waren (11 Leute statt wie sonst im Sommer 50 Leute), hatten wir noch genug Zeit, hier zu halten. Und das Foto sagt: Es war es wert: 


Alles in allem war dies - für mich - der beste Tag des Urlaubs! Nicht nur, weil ich Geburtstag hatte, sondern auch, weil ich diese Tour sehr genossen habe. Man muss schon ein bisschen ein Game-of-Thrones-Nerd sein, um es zu genießen, aber wenn man die Serie so liebt wie ich, dann ist die Tour jeden Cent wert! Theo hat so viel Detailwissen, dass es in achten Stunden nie langweilig wurde. Auch wenn vermutlich nicht alles ganz der Wahrheit entsprach, wenn er von den wilden Parties hinter den Kulissen sprach. ;) Mit gedruckten Szenenfotos, humorvollen Stories und einer Menge Flüche hat er es geschafft, dass ich zeitweise glaubte, Drachen am Himmel und White Walker hinter den Felsen zu erspähen. 

Übrigens, einer der Schauspieler in der Reihe ist ebenfalls Isländer: The Mountain wird von Hafþór Júlíus Björnsson gespielt. 



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