Freitag, 7. April 2017

Von jetzt an nur noch "sie" - Gendern oder nicht?

Foto "Equality" von Pixabay


Liebe LeserINNEN,
Liebe Leser*innen, 
Liebe Leserinnen und Leser, 
Liebe Leser_innen, 
Liebe Leser/-innen, 
Liebe LeserX,

ich weiß nicht, ob es noch mehr Möglichkeiten gibt, ich weiß nur, dass Gendern das Verfassen von Texten nicht immer leicht macht. Schnell werden Texte sperrig, das Lesen mühsam, weil man immer wieder neu ansetzen muss, um den Satz zu verstehen. 

Ich möchte aber festhalten: Ich bin nicht gegen das Gendern mit seiner Grundidee, nämlich der, dass egal, welchen Geschlechts der oder die Angesprochene ist, sich jeder angesprochen fühlen soll und darf. Und dass niemand übergangen wird. Dass nicht nur Männer wahrgenommen werden, sondern auch Frauen und Menschen, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. 

Gerade als Frau sehe ich das Problem, aber ich muss auch zugeben, dass ich nicht überzeugt davon bin, ob die Unterschiede, die in den Köpfen der Menschen seit Jahrhunderten bestehen, mit dem bloßen Umstellen von sprachlichen Bräuchen auszumerzen sind. 

In meinen Augen ist es viel wichtiger, dass gleiche Arbeitsleistung mit gleichem Gehalt belohnt wird - egal welchen Geschlechts die Gehaltsempfängerin oder der Gehaltsempfänger ist. 

In meinen Augen ist es wichtiger, dass sowohl Jungen als auch Mädchen ihren Beruf frei wählen dürfen, ohne auf Vorurteile zu stoßen. Der talentierte Automechaniker ist genauso ein Mädchen, wie ein Junge als perfekt organisierte Sekretärin fungieren kann. 

"Secretary", Foto von Pixabay


In meinen Augen ist es wichtig, nicht nur "Frau Bundeskanzlerin" als normal anzusehen, sondern auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens andere Geschlechter als das Männliche zu sehen.  

In meinen Augen ist es unsere wichtigste Aufgabe zu verhindern, dass Mädchen nicht wegen ihres Geschlechts schlechtere Ausbildung erhalten, sie dürfen nicht sexuell ausgebeutet werden oder als junges Mädchen schon verheiratet werden. Aber das gleiche gilt auch für Jungen! 

Kann die Sprache das ändern? Oder machen wir die Sprache nur immer komplizierter? Ist es in Ländern, in denen die Sprache diese Unterscheidung gar nicht hergibt, denn anders? Soweit ich weiß nicht.

Schon jetzt wissen wir nicht mehr, was denn gerade die politisch korrekte Bezeichnung ist. Darf ich noch Schwule und Lesben sagen? Sie selbst bezeichnen sich so, aber darf ich als Außenstehender diese Worte benutzen? Ist ein Schwarzer ein Farbiger, ein Afrikaner oder ein Dunkelhäutiger? Ist eine Frau eine Frau und ein Mann ein Mann? 

Dabei könnte doch - zumindest beim Thema Gendern - alles so einfach sein. 

Im Wort Leserin stecken sowohl der Leser als auch die Leserin. Im Wort Busfahrerin sind ebenfalls beide Worte vereint. Hingegen ist der Leser eigentlich nur ein Mann. Trotzdem sollen sich Frauen bei der Anrede "Liebe Leser" angesprochen fühlen, während sich Männer außen vorgelassen fühlen, wenn "Leserinnen" adressiert werden. 

Ein lieber Kollege hat es auf seinem Blog bereits vorgemacht und ich muss sagen, mir gefällt die Idee. Konsequent spricht Marcus Johanus in seinen Texten von Leserinnen, Verlegerinnen oder Autorinnen. Immer wieder bekommt er dafür entsprechende Kommentare, warum er denn nur Frauen anspricht. Noch dazu, wo er doch ein Mann ist. 

Ich habe bislang auf meinem Blog nur die männliche Form benutzt, noch nie hat mich jemand darauf angesprochen, warum ich nur Männer anspreche, obwohl doch meine Zielgruppe eigentlich eher weiblich sein sollte. Das wird von den meisten hingenommen bis auf einige wenige, die sich das Gendern zur Aufgabe gemacht haben. 

Ich bin eine Frau. Ich schreibe Bücher, die vorwiegend von Frauen gelesen werden. Es ist daher doch eigentlich nur logisch, die weibliche Form zu benutzen. Von heute an werde ich auf meinem Blog ausschließlich von Leserinnen und "sie" sprechen. Die Männer mögen sich hier, in meinem kleinen Reich, genauso angesprochen fühlen wie die Frauen überall sonst in der Welt der Sprache. 

Ich bin gespannt, wie das Experiment angenommen wird. Denn, liebe Leserinnen, so sind Texte doch viel angenehmer zu lesen, als mit all den Sternchen, Großbuchstaben oder X-Platzhaltern. 

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