Sonntag, 26. Februar 2017

Wie schreibe ich eine Rezension?

Rezensionen oder Bewertungen - egal wie man es nennt - sind sind wichtig für Autoren und ihre Bücher. Die meisten Autoren werden nicht müde, dies zu betonen, wie wichtig Rezensionen, oder nennen wir sie lieber "Bewertungen" für ihre Bücher insbesondere auf öffentlichen Plattformen sind. Dass das nicht von ungefähr kommt, hat mein vorheriger Post bewiesen.

Viele Leser schreiben bereitwillig ihre Meinung zu den Geschichten, die sie gelesen haben, doch leider ist die Zahl rückläufig und der Kampf um rezensierende Leser wird immer härter. Dies sind in der Regel Buchblogger, nur wenige, die keinen Blog haben, rezensieren freiwillig.

"Ich weiß nicht, was ich da schreiben soll."


Sehr oft höre ich diesen Satz als Grund dafür, dass lieber gar nicht erst eine Bewertung geschrieben wird. Was ich durchaus verstehen kann. Es ist nicht einfach, etwas zu schreiben, ohne zu viel über den Inhalt zu verraten. Und außerdem muss man auch erst einmal in Worte zu fassen verstehen, was man beim Lesen empfunden hat.


Ein Handbuch für Buchbesprechungen 


Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, ich versuche mal so eine Art Handbuch zu erstellen, dass beim Verfassen einer Bewertung helfen soll. Natürlich kann man nicht einfach immer das gleiche schreiben, das fällt irgendwann auf und die Rezensionen werden zum Beispiel von Amazon nicht mehr akzeptiert. Die hier genannten Beispiele sollen also nur Wegweiser sein, die mit eigenen Worten umschrieben werden sollten.

Wie also geht man vor, wenn man ein Buch liest, das man später bewerten möchte? Manche machen sich während des Lesens Notizen, um sich später daran zu erinnern, welche Stelle ihnen besonders gut oder besonders schlecht gefallen hat. Andere schreiben lieber nach dem Lesen eine zusammenfassende Stellungnahme aus der Erinnerung heraus. Welche Methode für Dich die richtige ist, solltest du selbst ausprobieren.

Kundenbewertung bei Amazon.de

Es gibt ein paar wenige Regeln, die Du beachten solltest: 


Erste und wichtigste Regel: Es gibt kein richtig oder falsch! Als Leser bist Du derjenige, der so empfindet, wie Du eben empfindest. Wenn Du etwas nicht verstehst, dann ist das nicht auf Deine Unfähigkeit zurückzuführen. Wenn Dir etwas nicht gefällt, dann ist es eben so. Wenn Dir etwas unlogisch vorkommt, dann beruht das auf der Summe Deiner Erfahrungen in Deinem bisherigen Leben und hat seine Daseinsberechtigung genau wie die Meinung aller anderen. Jeder Leser liest ein Buch anders. Der Autor denkt sich vermutlich etwas dabei, wenn er schreibt, aber was der zukünftige Leser daraus macht, kann er niemals vorausahnen und auch nicht  beeinflussen. Denn wir nehmen Geschichten so wahr, wie unsere eigenen Erfahrungen und Erlebnisse uns lenken. Manchmal ist es eben einfach so, dass ein Buch und Du einfach nicht zusammenpassen. Das ist wie mit Menschen: Manche mag man sofort und mit anderen wird man nie warm. Und ein Autor sollte und wird es Dir hoffentlich nicht übel nehmen, dass Du diese Meinung hast und vertrittst. Steh dazu!

Zweite Regel: Nicht persönlich werden! Es geht um das Buch, nicht um den Autor als Person. Bewerte also nicht seine Fähigkeiten, sondern die Geschichte und wie sie auf Dich wirkt. Achte auf Deine Gefühle während des Lesens.

Dritte und letzte Regel: Es zählt der Inhalt, nicht die Anzahl der Worte! Ob Du viel oder wenig schreibst, ist dir selbst überlassen und hängt auch von der Neigung des einzelnen ab. Wertig wird eine Bewertung dadurch, dass sie nicht nach hohlen Worten klingt, sondern Deine persönliche Meinung wiedergibt.

Lovelybooks - eine Plattform für Leser und Autoren

Und was soll in der Bewertung alles drinstehen?


Was aber genau soll jetzt in so eine Bewertung rein? Im Folgenden zähle ich einige Stichpunkte auf, die Du beobachten kannst, während Du das Buch liest. Dabei musst Du nicht zu jedem einzelnen Punkt in Deiner Bewertung eingehen. Suche die heraus, die die größten Stärken und Schwächen des Buchs darstellen und nimm darauf in Deiner Bewertung Bezug.

1. Der erste Eindruck
Was hat Dich zum Kauf dieses Buchs bewogen? War es das Cover, dass dich ansprach oder der Klappentext? Kanntest du den Autor schon vorher und magst seinen Schreibstil, egal, was er schreibt? Vielleicht hast du das Buch auch geschenkt bekommen. Kannst Du dir vorstellen, warum der Schenkende davon ausging, dass ausgerechnet Dir das Buch gefallen könnte?

2. Der Spannungsbogen
Hat die Geschichte dich so gefesselt, dass du die Zeit darüber vergessen hast oder musstest du dich zum Lesen zwingen? Warst du gelangweilt und hast dich leicht ablenken lassen oder wolltest du unbedingt wissen, wie es weitergeht?

3. Figurenentwicklung
Hatten die Figuren in der Geschichte für Dich ein Gesicht, lösten sie Gefühle bei Dir aus, mochtest Du sie oder hast Du sie von ganzem Herzen abgelehnt, weil der Bösewicht so böse war, dass Du ihn am liebsten selbst um die Ecke gebracht hättest? Oder war es Dir völlig egal, was mit ihnen geschieht und haben ihre Handlungen und Worte Dich kalt gelassen? Hattest du einen Lieblingscharakter, vielleicht sogar einen Nebencharakter, den du gerne näher kennengelernt hättest?

4. Sprache und Weltenbau
Wie gut konntest Du Dir vorstellen, wie es dort aussieht, wo sich die Figuren in der Geschichte bewegen? Wurde mit überschwänglichen Worten alles detailgenau beschrieben und ausgeschmückt oder entstand das Bild eher subtil? Hast Du überhaupt ein Bild vor Augen, wenn Du an die Szenen denkst? Waren die Sätze klar verständlich oder musstest du manchmal zurückblättern, um etwas zu verstehen? Hat Dir die Ausdrucksweise gefallen? Sprachen alle Figuren gleich oder erkannte man schon an der Art ihrer Formulierungen, wer gerade sprach?

Goodreads - eine Plattform, die im englischen Sprachraum häufiger genutzt wird, aber auch für deutsche Bücher immer wichtiger wird. 

5. Schreibstil
Es gibt Autoren, die klare, einfache Worte wählen und es dem Leser automatisch leicht machen, der Geschichte zu folgen und es gibt solche, die mit tiefgründigen und philosophisch angehauchten Formulierungen den Leser herausfordern, sich mehr zu konzentrieren. Nichts davon ist falsch, nur anders, und es ist reine Geschmackssache, was man bevorzugt.

6. Perspektive
Als Leser, der nie einen Schreibratgeber gelesen hat, musst Du nicht wissen, ob es Perspektivfehler im Buch gab oder ob der Autor alles richtig und nach Lehrbuch gemacht hat. Für Dich ist wichtig: Konntest du der Geschichte folgen und wusstest zu jeder Zeit, wer gerade im Lauf der Geschichte der Charakter war, der die Szene erlebte und kommentierte? Musstest Du manchmal zurückblättern, weil Du das nicht mehr genau sagen konntest?

7. Besonderheiten
Gab es Szenen im Buch, die Dich ganz besonders fasziniert haben? Besondere Ideen, außergewöhnliche Ereignisse, unerwartete Wendungen? Ohne diese konkret zu benennen, kannst Du das trotzdem erwähnen, und darauf eingehen, was Dich besonders berührt oder auch, was Du vermisst hast.

8. Bonus: Rechtschreibung/Formatierung
Tippfehler können passieren und es wird kaum ein Buch auf dem Markt geben, das völlig fehlerfrei daherkommt. Ein paar kleine Rechtschreibfehler sind kein Beinbruch. Wenn es sich aber häuft und keine Seite ohne Fehler bleibt, ist es durchaus legitim, das zu erwähnen. Andersherum aber auch. Ist das Buch besonders sorgfältig korrigiert und formatiert worden? Dann erwähne das auch.

9. Taschenbuch-Bonus - Aufmachung
Insbesondere für gedruckte Bücher gibt es auch noch die Möglichkeit, dass diese besonders schön aufgemacht sind, mit individuellen Grafiken oder einer besonderen Bindung aufgehübscht wurden. Erwähne diese Besonderheit gerne in Deiner Bewertung.

Kundenbewertungen bei Thalia.de


Sternebewertung auf öffentlichen Plattformen


Es gibt viele Diskussionen darüber, ob die Einteilung in 1 bis 5 Sterne für ein Buch sinnvoll ist. Sicher wäre es nützlicher, wenn man einzelne Kategorien bewerten könnte. Da dies aber nicht der Fall ist, muss man eben mit dem arbeiten, was einem zur Verfügung steht.

Versuche einen Durchschnitt aus Deinem Gesamtgefühl für das Buch zu ermitteln. Hat es Dich komplett umgehauen und nicht mehr losgelassen (fünf Sterne) oder hast du es abgebrochen oder nur mit Mühe weitergelesen (ein Stern)?
Du kannst auch versuchen, zu den oben genannten Kategorien jeweils passende Wertungen zwischen ein und fünf Sternen zu vergeben und daraus den Mittelwert zu errechnen. Was immer für dich funktioniert, versuche eine faire und ehrliche Bewertung abzugeben.

Wir Autoren danken Dir dafür!

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