Sonntag, 8. Januar 2017

#Autorenwahnsinn Tag 04: Mein Schreibgerät


Nach einer Idee von www.schreibwahnsinn.de


Tag 04:
Mein Schreibgerät

Nachdem ich einen Tag ausgesetzt habe, geht es heute parallel zur Blogtour für Verlassener Stern mit der Challenge #Autorenwahnsinn weiter, die mich nach meinem Schreibgerät fragt.

Ich könnte jetzt mein Sony Laptop erwähnen, das alle meine Texte entgegennimmt und im besten Fall verarbeitet. Aber eigentlich sind meine wichtigsten Schreibgeräte doch mein Kopf und meine Hände. Als Sekretärin beherrsche ich das 10-Finger-System, wobei ich mich frage, ob das heute eigentlich noch gelehrt wird. Die meisten Kids haben schon so früh Zugang zu Tastaturen, dass sie vermutlich alle eine eigene Strategie haben, so schnell wie möglich zu schreiben. Egal. Bei mir war das noch hart erlerntes Handwerk, das mir im Alter von 12 Jahren auf einer mechanischen Schreibmaschine beigebracht wurde. Die Hebelwirkung der Tasten, insbesondere der in der Zahlenreihe, war so schwergängig, dass ich mir beim ß regelmäßig fast den kleinen Finger brach.

Angefangen haben wir den Kurs ganz klassisch damit, seitenweise ASDF und JKLÖ zu schreiben. Als schließlich alle Buchstaben den korrekten Fingern zugeordnet und einstudiert waren, ging es darum, das Tempo aufzubauen und vor allem blind zu schreiben. Dazu wurden die Tastaturen mit Tüchern abgedeckt, unter die wir zum Schreiben die Hände schoben und dann zu Marschmusik im Takt schrieben.

Nachdem ich nun also die Technik bereits in der Realschule in einer "Schreibmaschinen-AG" gemeistert hatte, war die nächste harte Schule die Arbeit in einem Anwaltsbüro in Bonn. Dort habe ich täglich 10 Stunden und länger getippt wie eine Wahnsinnige. Immer noch waren wir den Chefs zu langsam und man bekam die Hinweise, dass man am Nachmittag leider "in der Leistung nachließe". Auch wenn das keine rosigen Zeiten aus Arbeitnehmersicht waren, hat diese harte Schule der Grund, warum ich heute so schnell und blind schreibe, wie ich schreibe.

Wenn man das heute erzählt, klingt das, als wäre ich hundert Jahre alt, oder? Aber es führte dazu, dass ich wirklich absolut blind schreiben kann. Während des Schreibens kann ich ohne Probleme zur Seite sehen und mich mit Leuten unterhalten, wenn der Inhalt des Gesprächs nicht zu komplex wird und den Inhalt dessen, was ich schreibe, beeinträchtigt. Zumindest den letzten Satz kann ich auf diese Weise immer noch mit einem Gruß und einem Lächeln zu Ende tippen, ehe ich unterbreche, um mich aufmerksam zu unterhalten. Im Büro führt das regelmäßig zu Kicheranfällen durch Kollegen. ;)

In Spitzenzeiten hatte ich über 500 Anschläge in der Minute. Es gibt Menschen, die das noch viel schneller können, heutzutage sogar solche, die eben nicht nach dem "richtigen" Prinzip schreiben, sondern ein eigenes System entwickelt haben. Trotzdem gibt es glaube ich wenige, die während des Schreibens aus dem Fenster gucken können und das schöne Wetter vor der Tür bestaunen können. ;)





Kommentare:

  1. Ich bewundere Menschen, die noch richtig gelernt haben, schnell und meist fehlerfrei zu tippen. Ich sage mir immer: Manche können Brainsugery und andere können mit zehn Fingern schreiben.

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    1. Haha, schöner Vergleich... Wobei gerechterweise Leute, die Brainsurgery beherrschen deutlich besser bezahlt werden... ;)

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