Samstag, 23. Juli 2016

Vom Verlagsautor zum Selfpublisher

Die große Frage - wie und wo veröffentlichen?


Jeder Autor steht am Ende eines Schreibprojekts vor der großen Frage, was er nun mit seinem Werk anstellt. Die meisten entscheiden sich dafür, es zu veröffentlichen und davon wiederum die meisten dafür, das nicht kostenlos zu tun.

Die nächste Frage ist dann, versuche ich einen Verlag zu finden? Beauftrage ich einen Agenten? Oder verlasse ich mich gleich auf mich selbst und werde Selfpublisher?

Ich glaube, die Frage beantworten kann wirklich nur jeder für sich selbst. Als ich mein erstes Buch "Verlorener Stern" fertig geschrieben hatte, war ich noch sehr unerfahren. Ich hatte gerade erst angefangen, Schreibratgeber zu lesen und hatte keine Ahnung vom Buchhandel und der Riesen-Marketingmaschine, die dahinter steckt.

Ich war und bin also durchaus glücklich darüber, damals schon sehr früh einen Verlag gefunden zu haben. Der Sieben Verlag ist ein kleiner Verlag, der gar nicht so viel tun kann, wie es ein großer Verlag könnte, aber immerhin nahmen sie mir vieles ab, von dem ich keinen Schimmer hatte. Ich musste mich nicht um das Cover kümmern, keinen Lektor suchen und auch nicht lernen, wie man aus einer Worddatei ein funktionierendes E-Book oder Printbuch macht. Die Veröffentlichung kostete mich außerdem keinen Cent, die ersten Einnahmen gab es aber auch erst ein halbes Jahr nach der Erstveröffentlichung. Und nein, viel war es nicht. Mit dem ersten Buch verdient kaum ein Autor wirklich Geld.

Mit dem ersten Buch verdient man kein Geld.


Ich hätte mir an manchen Stellen vielleicht mehr wirksame Werbung für mein Buch gewünscht, mehr Sichtbarkeit durch einen Verlag, mehr Unterstützung als Autor. Aber das ist für einen kleinen Verlag eben auch eine Rechenaufgabe und genau wie man als Selfpublisher rechnen muss, was man sich leisten kann und was nicht, so muss das auch ein Verlag tun.

Ich bin dem Sieben Verlag daher dankbar, mir beim ersten Mal die Hand gehalten zu haben. Aber diese Zeiten sind nun vorbei. Jetzt traue ich mir mehr zu. In den vergangenen zwei Jahren habe ich viel gelernt. Dinge, von denen ich zu Beginn meiner Autorenreise noch nie etwas gehört hatte, spannende und unangenehme Dinge, einfache und hochkomplizierte Zusammenhänge, bei denen ich auch jetzt erst noch nur an der Oberfläche kratze, es ist wie das richtige Leben: Man lernt nie aus.



Wo man das alles lernt? Vieles habe ich im Internet nachgelesen, Matthias Mattings Selfpublisherbibel steht da natürlich ganz oben. Auch die dort beworbenen Onlinekurse mit dem Selfpublisher-Papst höchstpersönlich als Dozenten habe ich mir gegönnt:
  • Self-Publishing: Ihr Autoren-Erfolg mit E-Books und Büchern
  • Gedruckte Bücher verkaufen: Vom Manuskript in den Buchhandel
  • Einnahmen aus eBooks als Autor korrekt versteuern
Ich kann jedem angehenden Selfpublisher diese Kurse nur wärmstens empfehlen! Es ist eine lohnende Investition in die Zukunft und hilft einem Schritt für Schritt dabei, sich einen Überblick zu verschaffen, überlegte Entscheidungen zu treffen und am Ende nicht völlig überrascht dazustehen. Und es ist - anders als im Internet - alles chronologisch und verständlich aufgebaut.

Weiterbildung - eine Investition in die Zukunft


Auch Foren und/oder Facebookgruppen haben ihren Teil zu meiner Fortbildung beigetragen, allerdings muss ich dazu sagen, dass ich beides mittlerweile mit Vorsicht genieße. Die Mitglieder, die am lautesten schreien, sind oft die, die am wenigsten Ahnung haben. Es braucht eine Weile, ehe man raus hat, welcher der Kommentatoren wirklich weiß, wovon er spricht, und wer nur möglicht laut und möglichst auffällig durch die sozialen Netzwerke poltert. Nicht jeder gut gemeinte Rat ist gut und nicht jeder wirklich ernst gemeinte Rat kommt im richtigen Ton beim Empfänger an. Man muss nicht nur selbst kritikfähig sein, sondern auch einstecken können und damit rechnen, Antworten auf Fragen zu bekommen, die man nie gestellt hat. Auch der Zeitfaktor spielt bei der Entscheidung für oder gegen eine solche Gruppe eine große Rolle. Ist Facebook einmal eingeloggt, hängt man meistens ein paar Stunden drin fest.

Das Magazin "Der Selfpublisher"  ist ebenfalls eine hervorragende Quelle zur Selbst- und Weiterbildung. Für 27 Euro inklusive Versand (innerhalb Deutschlands) erhält man vier Mal jährlich ein Heft gespickt mit Informationen, Tipps und Tricks rund um das Selfpublishing.

Es ist auch nie verkehrt, schon Kontakte zu anderen Selfpublishern zu knüpfen, ehe man selbst loslegt. Meistens ist konkrete und direkte Hilfe untereinander effektiver als Fragen an eine gesichtslose Community zu stellen.

Bei der ersten Veröffentlichung hätte ich all das weder gewusst, noch zur Verfügung gehabt. Einfach aus Zeitmangel, denn es gibt Unmengen zu lernen! Ich lerne immer noch und werde mit der ersten Veröffentlichung als Selfpublisher sicher immer noch genug Fehler machen, um als Anfänger entlarvt zu werden.

Selbst veröffentlichen heißt investieren - hier muss man Prioritäten setzen


Ich weiß aber jetzt zumindest von vielen Fehlern anderer, und somit auch, wie ich sie vermeiden kann. Ich habe eine kleine Marketingstrategie, habe mir vorab Gedanken darüber gemacht, wo ich Geld investieren muss, kann und will und wo ich es lieber bleiben lasse. Dafür habe ich mir eine ganz eigene Prioritätenliste der Dinge erstellt, die mir wichtig sind und in die ich Geld zu investieren bereit bin, denn ohne geht es nicht als Selfpublisher.

1. Wissen rund ums Selfpublishing darf mich gerne auch etwas kosten. Was die Fortbildung im Beruf ist auch das Lernen im Hobby. Man lernt nie aus und sollte immer in die Zukunft investieren.

2. Professionalität. Ich kann nicht alles können, das verlangt auch niemand. Ich entscheide mich lieber für ein paar wenige, professionell wirkende Maßnahmen, als für viele selbst zusammen geschusterte Laienideen. Das gilt für alles, egal ob Lektorat, Cover, Marketinggrafiken oder was auch immer ansteht.



3. Lektorat und Korrektorat. Ohne geht es nicht! Es gibt endlos viele Lektoren und verschiedene Angebote. Den richtigen Lektor mit dem richtigen Angebot zu finden, ist nicht immer einfach. Mit hat es geholfen, schon einige Zeit lang Kontakte geknüpft zu haben. Ich habe meine Lektorin Tanja Mehlhase schon 2013 kennengelernt. Wir hatten privaten Kontakt und haben uns so schon gegenseitig beschnuppert, ohne dass ein Auftrag zwischen uns stand. Jetzt findet das Lektorat auf einer freundschaftlichen Basis statt, sodass die Kritik am Ende gar nicht mehr so weh tut. Ich weiß, dass sie mich und meine Arbeit schätzt und ich weiß, dass wenn sie etwas kritisiert, das nur tut, um den Text zu verbessern. Während man das theoretisch von jedem Lektor weiß, ist es einfacher zu akzeptieren, wenn man das Gefühl hat, dass ein Freund Kritik äußert. Das Korrektorat übernehmen bei mir nach dem professionellen Lektorat Freunde und Testleser, die ich mir selbst aussuche und anspreche. Wer genaueres über den Unterschied von Lektorat und Korrektorat nachlesen möchte, kann gerne hier klicken und nachlesen.

4. Cover. Das Kleidchen unserer Werke ist das erste, was der potentielle Leser zu sehen bekommt. So idealistisch Aussagen wie "es kommt nur auf den Inhalt an" auch sein mögen, die wenigsten Leser entscheiden nach der Qualität des Buchinhalts. Das Buch muss beim ersten Ansehen ins Auge stechen, die Aufmerksamkeit des Kunden in den ersten drei Sekunden fesseln und dann erst kann es mit seinem Inhalt überhaupt eine Chance haben. Das Cover ist also durchaus etwas, bei dem sich eine ordentliche Investition - so hoffe ich - lohnen wird. Und auch wenn ich kein absoluter Volltrottel bin, was Grafiken angeht, ich habe weder die Erfahrung noch die Zeit, es selbst richtig gut zu machen. Darum habe ich mit Andrea Gunschera eine erfahrene Coverdesignerin beauftragt, die dafür sorgen wird, dass die beiden Bände der Bo'othi Bücher auch optisch zusammenpassen.

5. Die Hard- und Software. Ein vernünftiger Computer, ein anständiges Schreibprogramm, ein bequemer Schreibtischstuhl, ein zuverlässiger Webhoster, eine eigene Domain, das sind Sachen, an denen ich nicht spare. Ich bin bereit, Geld zu investieren, um ein professionelles Ergebnis zu haben. Mit kostenlosen Angeboten ist das nur sehr bedingt machbar.

6. Marketing. Graswurzelwerbung, so nannte es mal jemand, was ich betreibe. Und am Anfang hat man auch nicht viel andere Möglichkeiten. Ich kann mir kein Werbeplakat am Alexanderplatz leisten, aber eine Facebook-Anzeige, ein paar Goodies für die Leser und Portokosten sollten schon drin sein. Denn jeder einzelne neue Leser zählt, auch wenn ich durch den den ersten Band im Verlag vielleicht schon ein paar Stammleser mitbringe. Egal ob man neue Leser im echten Leben oder online gewinnen kann, egal ob über soziale Medien, einen Blog, eine Webseite, einen Newsletter oder ein Gespräch. Auch hier sollte man es meiner Meinung nach professionell angehen. Lieber ein paar wenige, gute Marketingtools nutzen lernen, als überall ahnungslos herumzustochern. Manchmal hat man auch einfach Glück und trifft wie ich auf Leute, die einem helfen wollen und entgegenkommen. Beispiel Buchtrailer: Ich habe es selbst probiert und das Ergebnis war grottig. Ich habe kein Gefühl für die Schnelligkeit, die Musik, den Schnitt. Es war einfach nicht schön, obwohl ich von meinem eigenen Konzept ganz angetan war. Ich habe es probiert, aber um darin gut zu werden, müsste ich monatelang üben. Zeit, die ich nicht aufbringen wollte. Stattdessen sah ich mich nach Leuten um, die sich auskennen: Ich entdeckte ein Interview mit Milan Grünewald und schrieb ihn an. Seine Antwort auf meine Frage nach dem Preis hat mich erst einmal umgehauen. Er lag auf gleichem Niveau wie das Lektorat, beides zusammen für ein Buch für mich unbezahlbar. Ich lehnte enttäuscht ab, aber das hätte mein Budget nicht nur gesprengt, sondern einen bezahlten Nebenjob verlangt. Doch Milan hat ein Herz für Selfpublisher. Er kontaktierte mich noch einmal und bot mir an, einen weniger aufwändigen Trailer für mich zu produzieren. Ohne Sprecher, nur animierte Bilder statt Filmsequenzen und er würde mein eigenes Konzept verwenden, statt ein neues zu erstellen. Der Preis entsprach dem meines Covers, und stellte somit einen Riesenrabatt dar. Natürlich sagte ich zu! Ein erstes Ergebnis habe ich bereits gesehen und es ist einfach nur traumhaft schön! Ich kann es kaum erwarten, den Trailer zu zeigen! Denn er sieht professionell aus!

7. Blogger. Auch Blogger kosten den Autoren Geld, denn in der Regel erhalten sie die Rezensionsexemplare kostenlos. Und das ist ein wichtiges und wirksames Werkzeug, um an Rezensionen zu kommen, die wiederum dabei helfen, das Buch im Internet sichtbarer zu machen. Erst ab 50 positiven Rezensionen wird z. B. bei Amazon ein Buch erst als solches erkannt und breitflächig angeboten. Ein gewisses Kontingent meines Budgets ist also auch für Blogger eingerechnet.

Das waren die sieben Punkte, die ich für mich als die wichtigsten ansehe und in die ich gerne investiere. Manches sind offene Positionen, die laufend befüllt werden müssen, einige sind mit einer einmaligen Anschaffung erledigt.

Mein Fazit: Angebote gibt es viele und als frisch geschlüpfter Selfpublisher möchte man am liebsten alles haben. Wenn man nicht nebenberuflicher Millionär ist, kann das aber schnell zur bösen Falle werden. Also vorher gut überlegen, was man eigentlich möchte und was einem wichtig ist. So viel wie möglich lernen und sich selbst ein Bild machen. Was passt zu meinem Buch, zu mir als Autor und meinem Genre? Und dann bei einer Strategie bleiben und daran arbeiten. Ob das zum Erfolg führen wird? Ich weiß es nicht. Aber ich werde es euch wissen lassen! :)


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