Samstag, 2. Juli 2016

Buchrezension: Raubzug des Phoenix von D. B. Granzow

Raubzug des Phoenix von D. B. Granzow

Genre: Fantasy, Dystopie
Seitenzahl: ca. 400 Seiten
Erhältlich als E-Book und Taschenbuch in allen gängigen Shops, demnächst neu verlegt im Drachenmond Verlag

Klappentext: 
Die Welt wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Es gibt keine weitreichende Ordnung. Chaos und Verwüstung regieren die Welt. Hunger, Krankheiten, Tod. Die Welt als Friedhof. Der Ruin der Menschheit. Die Weltbevölkerung ist so niedrig wie nie. Hunderte von Jahren bekämpften sich die Menschen untereinander. Was nicht durch Menschenhand zerstört wurde, machte die Natur dem Erdboden gleich. Die Überreste bilden das Leben am Ende unseres Jahrtausends. Was passiert in der Stadt? Eine Frage, die sich Hayden häufig stellt. Sie zweifelt ihr bisheriges Wissen darüber an, obwohl ihre eigene Familie sie über die Nächte der Plünderung aufgeklärt hat. Die Raubzugnächte, in denen die Menschen von außerhalb in die Stadt eindringen und das Lagerhaus plündern dürfen, ohne eine Bestrafung fürchten zu müssen. Den Ausführungen glaubt Hayden, bis ihre Mutter das schlimmste in jedem der Familienmitglieder hervorruft. Als ihr Cousin und bester Freund Yisle dazu auserwählt wird, an einer dieser Plünderungen teilzunehmen, beschließt Hayden ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und der Wahrheit nachzujagen. Doch manche Dinge bleiben nicht grundlos unausgesprochen. Sie findet sich in der Realität wieder, die nicht zu ihrem Weltbild passt und in der es einzig ums Überleben geht. Wie sie feststellt, hat die Familie ihr unbewusst einen gehaltvollen Begleiter mit auf den Weg gegeben. Das Lied vom Phoenix. Ihr tun sich menschliche Abgründe auf, die sie begreifen lassen, dass es, in einer Welt wie dieser, manche Tore gibt, die man nicht öffnen sollte. Besonders nicht, wenn die Wahrheit unter die Haut geht …

Der erste Eindruck
Das Cover zeigt Details, die, wenn man das Buch kennt, zum Inhalt passen. Das Mädchen Hayden, die dustere Stimmung der Stadt, in der sie auf Raubzug geht, das Feuer des Phoenix. Es ist schön, aber nicht besonders auffällig. Ich muss aber zugeben, hätte ich es im Buchladen herumliegen sehen, wäre ich wahrscheinlich dran vorbei gegangen. Sehr gespannt bin ich auf das neue Cover der Ausgabe aus dem Drachenmond Verlag, das von Alexander Kopianski gestaltet werden wird. 

Das Leseerlebnis
Die Idee hinter dem Buch finde ich großartig. Diese mysteriöse Stadt, die die arme Bevölkerung vom Land mit ihren vermeintlichen Geschenken anlockt und doch eine so große Gefahr darstellt, dass die Teilnahme an einer Plünderung nicht nur schwierig ist, sondern gar das Leben kosten kann, hat unglaublich viel Potential! Wer sind die Organisatoren der Plünderungen? Warum wollen sie überhaupt, dass geplündert wird? Welche Vorteile haben sie davon? Und warum nehmen die Menschen außerhalb diese gefährliche Reise auf sich? Das sind alles Fragen, die man sich stellt und auf die man eine Antwort erwartet. 

Ich gebe aber auch zu, dass mich der Autor mit seinem Buch ziemlich gefordert hat. Sein Schreibstil ist sehr blumig, manchmal möchte ich fast sagen umständlich. Die Beschreibungen sind teilweise so kompliziert, dass ich sie zweimal lesen musste, um mir die Szene vorstellen zu können. Die passive Ausdrucksweise hielt mich außerdem irgendwie auf Abstand zu den Charakteren. So schreibt er z. B. "meine Hände drücken mich vom Boden ab" statt "ich drücke mich vom Boden ab" . Dadurch fühlte sich der Charakter für mich oft wie ferngesteuert an, als handele sie nicht bewusst, sondern werde von ihrem Körper, ihrer Umwelt, ihren Mitstreitern gelenkt. 

Hayden, die Hauptfigur, durchläuft im Buch eine durchaus positive Entwicklung und wächst an ihrer Aufgabe. Durchweg sympathisch war sie mir trotzdem nicht, denn manchmal kommt sie mir sehr wankelmütig vor. Sie beschuldigt vorschnell ihre Familie, ihre Freunde, Dinge nur deshalb zu tun, weil man sie nicht als erwachsen genug ansieht. Ich gebe zu, auf mich wirkt sie dadurch auch nicht wirklich erwachsen, sondern wie eine Rotzgöre, die rumzickt. Vielleicht liegt's auch an meinem eigenen Alter und ich werde langsam zur spießigen Oma. *lach*. Auch am Ende trifft Hayden trotz aller Erlebnisse und Erfahrungen eine Entscheidung, mit der sie ihre Familie noch einmal auf den Prüfstand stellt und bringt sich selbst unnötig in erneute Lebensgefahr. Ich hoffe, dass sich dies in den Folgebänden noch auflöst und einen Sinn ergibt, denn manchmal möchte ich sie an den Schultern packen und kräftig durchschütteln.

Während das Buch sich an einigen Stellen zieht und wir sehr in den Gedankengängen Haydens gefangen sind, überschlagen sich an anderen Stellen die Ereignisse. Ich liebe Hayden für ihre klare Vorstellung von Richtig und Falsch. Wenn alle anderen nur an sich selbst denken, hilft sie denen in Not, auch wenn sie sich dadurch selbst in Gefahr bringt. Sie trifft Entscheidungen nicht schnell, aber sie kann sich auf ihr Gefühl verlassen. Meistens jedenfalls. Und auch wenn andere versuchen, sie davon zu überzeugen, dass es in ihrer Welt nicht gut ist, wenn man an andere denkt, lässt sie sich nicht davon abbringen.

Die Charaktere an ihrer Seite, die sie auf ihrer Reise in die Stadt begleiten, haben mir sehr gut gefallen. Mylake und Sage machen neugierig, ich würde gerne mehr über sie erfahren. Obwohl das Geheimnis ihrer Abneigung, in die Stadt zurückzukehren am Ende gelüftet wird, glaube ich, dass in diesen beiden Charakteren noch viel mehr Potential drin steckt. Der Ausblick auf Band 2, mit dem der Autor auf seinem Blog aufwartet, lässt mich diesbezüglich hoffen.

Haydens Familie hat mich zu Beginn etwas verwirrt, sehr viele Menschen mit vielen Namen, die ich mir nicht alle merken und zuordnen konnte. Doch ich von D. B. Granzows Weihnachtsgeschichte weiß, dass er Großfamilien liebt, hatte mich schon auf so etwas eingestellt. Eine Antwort fehlte mir aber zum Schluss, eine Person, die zu Beginn eine so große Rolle in Haydens Leben spielte und von der ich gerne gewusst hätte, ob sie noch da ist oder nicht. Ohne zu spoilern schwierig, aber ich denke, wer es selbst gelesen hat, weiß, von wem ich spreche.  

Fazit
Raubzug des Phoenix ist das Debüt des Autoren und als solches ein solider Anfang zu einer vielversprechenden Trilogie. Meiner Meinung nach hätte dem Buch ein wenig "Nip & Tuck" im Rahmen eines ausführlichen Lektorats gut getan, etwas straffer und weniger ausholend erzählt, wären die actionreichen Szenen einfacher zu lesen gewesen. Ich werde die Reihe weiter im Auge behalten und rate jedem, der Dystopien und Geschichten, in denen es ums Überleben geht mag, dem Buch eine Chance zu geben. 

Band 2 der Reihe soll unter dem Titel "Aschenkind" im November/Dezember 2016 herausgegeben werden. 

Aktuelles über den Autor und seine Bücher findet Ihr auf: 

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(c) Pixabay

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