Samstag, 4. Juni 2016

Erst oder schon? Wie die Zeit vergeht

Es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Beitrag über Betty Rumpel.

Wie, Du kennst Betty nicht? Dann musst Du neu hier sein. Denn Betty nimmt seit einem halben Jahr nicht nur einen festen Platz in meinem Leben ein, sondern taucht auch immer mal wieder hier im Blog oder auf einem meiner anderen Kanäle auf. Darf ich also vorstellen? Betty Rumpel:

Betty Rumpel
Und mit dem dritten Satz im ersten Absatz habe ich auch schon das Stichwort gegeben. "Ein halbes Jahr". WOW. Zeit ist etwas so paradoxes, aber das ist uns Menschen ja nichts Neues. Einerseits habe ich das Gefühl, dass Betty schon ewig hier ist und mein Leben bereichert. Andererseits ist die Vorstellung eines halben Jahres so kurz. Es sind nur sechs Monate, nur 27 Wochen, nur 185 Tage, nur 4440 Stunden, seit Betty zum ersten Mal in meiner Wohnung auftauchte. Heute vor einem Jahr war es noch Jimmy, der so selbstverständlich zu mir gehörte wie ein Arm oder Bein. Damals habe ich nicht mal ansatzweise geahnt, dass er krank werden und seine letzte Reise antreten würde. Und erst recht nicht, dass Betty dann seine Stelle einnehmen könnte.

Nein, nicht ganz richtig. Sie hat nicht seine Stelle eingenommen. Sie hat ihre ganz eigene Stelle. In meiner Wohnung, in meinem Leben, in meinem Herzen. Beide von ihnen haben einen festen Platz bei mir und keiner verdrängt oder ersetzt den anderen.

Aber Betty hat mich aus meinem Trübsal gerissen, den Jimmys Tod in mir ausgelöst hatte. Zum ersten Mal begegnete ich ihr auf der Terrasse. Ich sah aus dem Fenster und wollte eigentlich im Garten aufräumen und alles winterfest machen. Doch da lag dieses kleine, unscheinbare graue Kätzchen auf meiner Gartencouch und schlief so selig, dass ich mich entschloss, sie in Ruhe zu lassen. Sie tat mir leid, der Winter stand bevor, sie lebte auf der Straße, der Kälte und dem Hunger ausgesetzt.

21. November 2015
Damals dachte ich noch, sie sei so scheu, dass sie fortläuft, wenn ich rausgehe. Sie lief schon seit Jahren auf dem Gelände hier herum und sobald man ihr zu nahe kam, verkroch sie sich. Sie und Jimmy kannten sich, Jimmy hatte ihr mehr als einmal eine Liebessonate gesungen. Sehr zum Bedauern der Nachbarn.

Vielleicht war das gar kein Liebeslied. Vielleicht hat er sie gebeten, auf mich aufzupassen, wenn er mal nicht mehr da ist. Denn genau eine Woche nach der Begegnung durchs Fenster lag Betty zum ersten Mal auf meinem Bett. In der Wohnung. Eine versehentlich offene Terrassentür, ein freundliches Wort, und schon schlüpfte sie wie selbstverständlich hinein, sah sich um, und machte es sich gemütlich.

27. November 2015
Natürlich habe ich versucht herauszufinden, ob sie jemand vermisst. Aber Fehlanzeige. Niemand suchte sie, sie war nicht gechippt, ausgehungert und mit den Flöhen als Untermieter höchstwahrscheinlich schon länger obdachlos. Nach einer ordentlichen Flohkur, einer gründlichen Untersuchung und zwei Monaten, in denen sie fraß, was sie zwischen die Kiefer bekam, wurde es ganz allmählich zum Alltag, sie um mich zu haben.

Folgte die Zeit der unkontrollierten Mäusejagd, die dank Katzenklappe in meiner Wohnung ein oft wenig schönes Ende nahm. Viele konnte ich "retten" und wieder aussetzen, für andere kam jede Hilfe zu spät. Als mir das zu viel wurde, lieb gemeintes Geschenk von Betty hin oder her, verschloss ich die Katzenklappe. Es wurde wärmer draußen, Betty musste nicht mehr frieren. Sie kann seither jederzeit die Wohnung verlassen, und wenn sie rein will, muss sie sich melden. Klappt prima. Sie lernt schnell.

Fressen tut sie schon lange nicht mehr alles. Seit sie sich richtig satt gefressen hat, wird sie zur wählerischen Diva. Pute und Huhn muss es sein. Fisch gar nicht mehr. Rind - naaah. Man weiß nie, was sie heute für Vorlieben haben wird. Aber sie verhungert ja auch nicht mehr und manchmal muss sie eben so lange vorwurfsvoll den vollen Futternapf anstarren, bis der Hunger es dann doch reintreibt.

Ein halbes Jahr. Kann es wirklich erst sechs Monate her sein? Sie benimmt sich, als wären wir immer ein Team gewesen. Ist wohlerzogen (nicht mein Verdienst), bettelt nicht, kratzt nicht an den Möbeln (Okay, mit Ausnahme des rauen Stoffbezugs am Bett, der ist zu verlockend und man kann sich herrlich auf der Seite liegend daran entlang hangeln und über den Boden rutschen...). Selbst das sonst Katzen gottgegebene "lass mich rein, damit ich gleich wieder raus kann" ist nicht ihres. Sie geht raus und bleibt da erst mal stundenlang beschäftigt. Liegt auf der Terrasse und genießt es, einen vollen Magen, ein warmes Zuhause und einen Menschen zu haben, der sie liebt.

5. April 2016
Nicht mehr ganz so verschmust, aber wenn es sie überkommt, immer noch voller Liebe und Zuneigung, verbringt sie ihre Tage nun entspannt und ohne die Sorgen, wann es zum nächsten Mal etwas zu Fressen geben wird oder ob die Nächte kalt sein werden. Sie ist so furchtlos, wie man es von einer Straßenkatze erwarten würde. Gewitter, Feuerwerk, Hunde? Sie ignoriert alles. Bis auf die Nachbarkatze Piti, von der wir glauben, dass es ihre Schwester sein könnte. Mama Miezi und Piti waren vor zwei Jahren im Nachbargarten aufgetaucht und der Fuchs drohte, die 6 Wochen alte Piti zu holen. Also wurden sie kurzerhand reingeholt und sind geblieben. Betty und Mama Miezi haben einen ähnlichen Körperbau, ein ähnlich dichtes Fell und sind beide laut Tierarzt British Shorthair Mischlinge. Piti ist eine halbe Maine Coon, ihren Vater kennen wir alle. Er stellt allen Damen hier nach, egal ob sterilisiert oder nicht.

Piti (links), Betty (rechts oben), Mama Miezi (rechts unten) - Mutter und Halbgeschwister?
Ich denke, es war schicksalhafte Fügung - oder abgekartetes Spiel zwischen Miezen. Miezi Mama hat grandiose Arbeit geleistet und sich genau den Ort auf der Welt ausgesucht, wo sie ihre Kinder und sich selbst versorgt wissen konnte. Jimmy und Betty haben meine Zukunft geplant und Piti und Betty, naja, die müssen wohl beide einfach ruhiger werden und lernen, dass niemand dem anderen mehr etwas wegnehmen kann. Betty hat nun endlich auch ein "Forever Home" gefunden.





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