Mittwoch, 18. Mai 2016

Im Seriensumpf gefangen: The Walking Dead

Kennt Ihr das auch? Man fängt eine Fernsehserie an und auf einmal verschwindet alles drumherum? Man denkt nur darüber nach, wann man die nächste Folge sehen kann, wie die Helden es schaffen, das nun wieder zu überleben und warum die Uhr so langsam tickt, wenn man doch eigentlich nur weiter gucken will? Oder noch schlimmer: Die letzte Folge der letzten Staffel ist geguckt und man fällt in dieses große, schwarze Loch der postvisuellen Depression, weil die nächste Staffel noch Monate hin ist?

Dieses Loch war der Grund, warum ich lange Zeit nur noch Serien angeschaut habe, die schon abgedreht waren. Dann fällt man zwar am Ende einer solchen in einen ähnlichen Stupor, aber wenigstens ist es dann nur einmal pro Serie. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die beendeten Serien, die mich interessieren, kenne ich nun alle. Und dann werden die Stimmen derer laut, die aktuelle Serien gucken und immer wieder betonen, wie toll die doch seien...

Rick Grimes, vom TV abfotografiert
Lange habe ich die Ohren verschlossen und während ich wie ein Zombie von Seriendepression zu Seriendepression taumelte, eroberten die Protagonisten eben jenes Genres mit The Walking Dead ihr Publikum. Zombies. Ihhh. Ekel-TV. Lange habe ich mich geweigert. Horror ist eigentlich so gar nicht mein Ding. Nicht, dass ich mir die Nägel blutig kaue oder sowas nicht sehen kann, aber manchmal ist weniger mehr, finde ich.

Dann kam der Tag, als Amazon Prime mich doch noch köderte. Und als stolzes Mitglied (nur wegen der unbegrenzten Foto-Cloud natürlich. Und der kostenlosen Musik. Naja, und ein paar interessante Serien haben sie ja auch...) stöberte ich natürlich im Angebot herum. Da waren sie wieder. Die Zombies. Die Untoten. Die Streuner, Hautfresser, Beißer und wie man sie noch nennt. Etwas zögerlich zunächst sah ich mir die erste Folge an. Ist ja im Preis enthalten. Kann man ja jederzeit abschalten.

Hahaaaaa! Abschalten! Größter Witz des Jahrhunderts! Was passierte, war natürlich genau das Gegenteil. Ich verschmolz mit meinem Sofa und klebte vor der Mattscheibe. Und das ab ungefähr der Hälfte der ersten Folge. Shane wandelte sich vor meinen Augen vom Helden zum Antihelden, Rick verlor seine Menschlichkeit nur deshalb nicht, weil seine Frau an ihn glaubte, Carl tat einfach nie was er sollte und Lori hatte nicht schon genug Probleme mit den Zombies, sondern musste auch noch mit zwei Kerlen und einer Schwangerschaft kämpfen.

Die Ekelszenen - ja, ich gebe zu, auf die könnte ich immer noch verzichten. Also die ganz ekligen. Die, bei denen man jedesmal denkt, also ekliger geht's nicht und in der nächsten Folge setzen sie doch noch einen drauf. Für mich würde die Serie auch ohne das funktionieren. Ich käme mir weniger wie ein Gaffer und mehr wie ein Zuschauer vor. Denn in meinen Augen ist das, was diese Serie interessant macht, die Entwicklung der Charaktere. Wie sie sich verändern über die Jahre hinweg. Wie aus grauen Mäusen taffe Ladies werden, aus Versagern wahre Stützen der Gesellschaft, aus Familienvätern Kampfmaschinen und wie aus guten Menschen schlechte und aus schlechten Menschen gute werden.

Wenn die Serienhelden tun, was getan werden muss.
Vom TV abfotografiert

Ich liebe Carol, die tut, was getan werden muss und trotzdem anpassungsfähig ist, egal, was das Leben ihr vor die Füße wirft. Und das sind nicht nur die unausweichlichen Untoten und zerfledderten Leichen.

Daryl, der doch tief in seinem Herzen ein echter Familienmensch ist. Wer auf seiner Liste rettungswürdiger Menschen steht, kann sich sicher sein, dass er alles dran setzen wird, einen zu verteidigen. Was spielt da seine Vergangenheit schon für eine Rolle? Und ja, mir ist klar, er ist für viele der Serienliebling. Schwer, sich dem zu entziehen. Und er würde es so sehr hassen. *g

Carl, der die Welt kaum noch kennt, wie sie war, als sie noch normal war. Er passt in diese apokalyptische Welt hinein wie kaum ein anderer. Und trotzdem ist er ein Teenager mit Zornattacken und Trotzphasen.

Aber manchmal hab ich auch ein großes Fragezeichen und beruhige mich damit, dass es ja alles auf einen Comic basiert. Wieso sonst können die nach nur wenigen Tagen oder manchmal immerhin Wochen wieder laufen, nachdem man ihnen ein Bein abgehackt hat? Wie schaffen sie es, eine tödliche Grippe zu überleben und zwei Tage später schon wieder mit auf Versorgungstour zu gehen? Okay, Adrenalin und so. Was muss, das muss. Aber mal ehrlich. Wenigstens hin und wieder zu erwähnen, wie erschöpft man ist oder beim Lernen vom Laufen auf Krücken oder nicht angepassten Prothesen auf Schwierigkeiten zu stoßen, wäre schon verständlich...

Und wer schneidet denen eigentlich die Haare und wieso kommen da anscheinend nur einige in den Genuss eines Haarschnitts? Noch jemand hier, der Daryl liebend gern das Gestrüpp aus den Augen schneiden würde? Das muss doch nerven, wenn man dieses Gefranse immer im Gesicht hängen hat. Carols Haare hingegen scheinen gar nicht zu wachsen, oder säbelt Michonne ihr die schicke Kurzhaarfrisur mit dem Katana ins Haar? Und was ist mit fettigen Haaren? Sie schwitzen, sind schmutzig, stinken, beschmieren sich mit Leichenteilen, aber trotzdem sehen ihre Haare meistens immer noch schicker aus als meine, nachdem ich zwei Tage auf der Couch im Seriensumpf gelegen habe...

Vom TV abfotografiert

Trotzdem dürfen die Schauspieler auch mal hässlich sein. Und Pickel haben. Bin ich die einzige, die in einer bestimmten Szene mit einem Gefangenen dessen Pickel am Kinn länger anstarren musste als alle Untoten vorher und nachher?

Und noch eine Frage an die TWD-Kenner: Es wird also jeder zum Beißer, wenn er stirbt. Okay. Aber woher kommen dann die ganzen Leichen, die nicht zu Beißern wurden? Die in den Autos, auf den Straßen, in den Häusern? Die haben doch nicht alle einen Hirnschaden... Warum haben die sich nicht verwandelt?

Und wieso zieht die Gruppe nicht mal weiter weg von Atlanta? Dauernd rennen sie scheinbar im Kreis und sind immer gleich in der Nachbarschaft, selbst wenn sie ein neues Camp eröffnen. Das ändert sich ja in den Staffeln vier und fünf, also nach vier Jahren, aber am Anfang hat mich das schwer irritiert. Würde ich nicht wissen wollen, ob andere Bundesstaaten, Länder, Kontinente besser dran sind, wenn bei mir vor dem Haus die Welt vor die Hunde geht? Wo wäre der Unterschied, ob ich nun im Kreis renne oder geradeaus?

Ja, so beschäftigt mich nun also quasi Tag und Nacht das Schicksal von Überlebenden einer Zombieapokalypse. Und das hält mich von der Arbeit ab. Gut, dass es erst fünf Staffeln bei Prime gibt und ich nur noch zwei Folgen übrig habe... Danach kehrt erst mal wieder Ruhe ein. Und Anstand und Ordnung. Und Pflichtgefühl. Meine Wohnung sieht ein bisschen aus wie ein Zombie-Flüchtlingscamp. Nahrungsreste vor dem Sofa, zerwühlte Decken und Kissen, eine fleckige Küche, die meist verlassen da steht... Nicht mehr lange, und ich beginne, die Nachbarn zu beißen.

*Ch-chhhht-chhhh-ch-chhht*

Zombies auf der Mattscheibe
Vom TV abfotografiert


Kommentare:

  1. Mir ging es bei the walking dead genauso. Bin seitdem großer Fan dieser Serie und bin froh das noch lange nicht Schluss ist. Kann es kaum erwarten die 7. Staffel zu gucken.

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    1. Hey, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, einen Kommentar zu hinterlassen. Habe mich auf deinem Blog angemeldet. Toller Blog!
      Ich muss noch auf Staffel 6 warten, bei Amazon Prime gibt's erst mal nur fünf. Aber ist ganz gut so, damit ich aus dem Sumpf vorübergehend wieder auftauchen kann. *lach*

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  2. Ich verstehe dich sehr gut. Bei mir hat es allerdings eine Weile gedauert, bis ich mit der Serie warm wurde. Anfangs war ich dauernd kurz davor, abzubrechen und nur, dass fast jede Folge mit einem Cliffhanger endet, hat mich dann dazu bewegt, mir die nächste auch noch anzuschauen. Zwischenzeitlich fand ich es nämlich echt langweilig und mitten in der zweiten Staffel hatte ich mich eigentlich auch entschieden, wirklich nicht mehr weiterzugucken, aber der Hype der anderen hat mich dann doch überzeugt und danach fand ich es auch super. Es gibt zwar immer noch einiges, was mich stört, aber im großen und ganzen hat mich die Serie doch gepackt und zwar genug, um das englische Original sofort zu gucken, wenn die neue Folge draußen war, und das mache ich sonst nie. Wobei hier aber auch immer super viel Gefahr besteht, gespoilert zu werden und das möchte ich vermeiden. Man weiß ja nie, wer als nächstes auftaucht oder plötzlich nicht mehr da ist. Das schwarze Loch des Staffelendes habe ich aktuell auch und es wird noch soo lange dauern, bis es weitergeht. Dabei war das der schlimmste Cliffhanger, den man sich vorstellen kann. Tu dir selbst einen Gefallen und schau das 6. Staffelfinale nicht, bevor du nicht auch danach weitergucken kannst :D
    Ich finde die Entwicklung der Charaktere aber auch unglaublich spannend, auch wenn es gerade gegen Anfang eine Menge gab, die ich nicht leiden konnte. Genau das macht es aber alles so interessant, weil eben nicht jeder schwarz oder weiß, sympathisch oder unsympathisch ist und alle so facettenreich sind. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie sich das alles noch entwickelt. :)

    Liebe Grüße!

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    1. Ja, bei der ersten Staffel gab es auch ziemliche Ungereimtheiten, die mich anfangs noch störten. Wer hat z. B. Rick im Krankenhaus versorgt, als er im Koma lag und alle zu Zombies mutierten bzw. abhauten? Aber irgendwie war mir das dann völlig egal, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht.

      Haha, guter Tipp, das Staffelfinale von Staffel sechs nicht anzuschauen, aber ob ich das durchhalte? Mal sehen. lach

      Und ja, die Charaktere sind sehr facettenreich. Anfangs hatte ich keinen dabei, wie sonst bei Serien, wo man gleich mit "anbändelt" und sich auf jede seiner Szenen freut. Es waren eher viele unsympathische dabei, aber dennoch, I'm hooked. ;)

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  3. Ein toller Artikel. Ich bin auch Walking Dead - süchtig und kann dir da nur zustimmen.
    Liebe Grüße,
    Yvi :-)
    (http://yviskleinewunderwelt.blogspot.de)

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    1. Dankeschön! Ich hätte nie gedacht, dass mich die sie so packen könnte. Aber den Virus habe ich mir wohl endgültig eingefangen. :)

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