Dienstag, 31. Mai 2016

Buchrezension: Kernstaub von Marie Graßhoff

Kernstaub - Über den Staub an Schmetterlingsflügeln

Genre: Fantasy, Dystopie, SciFi
Seitenzahl: ca. 900 Seiten
Erhältlich als E-Book und Taschenbuch in allen gängigen Shops, neu verlegt im Drachenmondverlag

Klappentext: 
»Wir haben nach neuen Welten gesucht, aber keine gefunden. Also nahmen wir die unsere und versuchten, sie schöner und leuchtender zu machen. Doch je mehr Licht wir ihr gaben, umso tiefer wurden ihre Schatten.«

Mara hat vergessen, dass sie bereits seit Hunderten von Leben vor den Wächtern des ewigen Systems flieht. Durch den Mord an ihr wollen sie den Weg aller Seelen zur Perfektion ebnen.

Ihr Dasein wird in diesem Leben lediglich von ihrer immensen Angst vor Uhren bestimmt. Doch als die Wächter sie erneut aufspüren, um sie aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu tilgen, verschiebt sich das Gleichgewicht der Dimensionen: Uralte Erinnerungen kehren zurück, eine längst vergessene Liebe erwacht von Neuem und Kriege spalten den Planeten.

Und über allem schwebt die Frage: Wenn die ganze Welt dich hasst, würdest du dich trotzdem für sie opfern?

Der erste Eindruck
Das Cover trägt, wie alle Werke der Autorin, den ganz besonderen Marie Graßhoff Look in die Welt. Es ist düster, geheimnisvoll und offenbart kaum etwas von der gewaltigen Geschichte im Inneren des Buchs. Ich würde im Buchladen jederzeit danach greifen und am Inhalt interessiert sein. Die Autorin gestaltet ihre Cover übrigens selbst, was ihr, wie scheinbar alles, was sie anpackt, mühelos gelingt.

Das Leseerlebnis
Vorab: Ich bin eine langsame Leserin, da ich mir die Zeit zum Lesen von der Zeit fürs Schreiben, Arbeiten und allen anderen Verpflichtungen mühsam abknapsen muss. Normalerweise lese ich in der Badewanne, in der U-Bahn und in Wartezimmern, also immer mal nur eben zwischendurch. Doch dafür ist dieses Werk nicht geschaffen. Wer Kernstaub lesen will, der muss sich Zeit dafür nehmen, voll und ganz dabei sein und jeden Satz aufmerksam lesen. Denn schon bald merkt man, jeder Satz ist mit Bedacht geschrieben. Jeder. Einzelne. Satz. Auf jeder einzelnen der fast 900 Seiten.

Die Autorin benutzt eine bild-gewaltige Sprache, die eher philosophisch als unterhaltend klingt. Sie schreibt nicht mit Buchstaben, sondern malt mit Worten, und das in allen Farben des Universums. Ein solches hat sie in ihrem epischen Werk, das der erste Band einer umfangreichen, bis ins Detail geplanten Reihe ist, erschaffen. Atemberaubend und beeindruckend beschreibt sie in wortgewandter Manier eine Welt, die sich nach und nach vor unserem inneren Auge aufbaut und nachhaltigen Eindruck hinterlassen wird. Wenn Marie eine Szenerie beschreibt, ist man mitten drin, sieht mit eigenen Augen, was sie sieht.

Manchmal fiel es mir schwer, den verschwurbelten Text zu verstehen, viele Stellen musste ich zweimal lesen, die, die ich überlas, weil ich unkonzentriert war, fehlten mir später an anderer Stelle und ich musste zurückblättern. Auch wenn mir der Schreibstil oft langatmig vorkam, so hatte die Autorin dabei immer einen Plan. Es gibt Kapitel, in denen scheinbar nichts geschieht. Zum Beispiel wenn die Protagonistin in einer ehemaligen Fabrikhalle ahnungslos auf Eingebung wartet und ihre Fähigkeiten trainieren soll. Sie hat keine Ahnung was sie eigentlich tun soll, geht spazieren, isst etwas, schläft viel. Dann ist das Kapitel vorüber und man fragt sich, warum habe ich das gelesen? Doch später stellt sich heraus, es hatte seinen Sinn, zeigte es doch nicht nur die Ahnungslosigkeit der Protagonistin Mara, sondern auch ihre Entwicklung, ihre Gefühle, ihren Werdegang, ihre Machtlosigkeit gegen die Fügungen des Schicksals.

In der ersten Hälfte des Buches wurde mir persönlich zu oft geschmunzelt. Ich gebe zu, ich hätte wenigstens jedes zweite Schmunzeln gerne gestrichen, denn manchmal hatte ich das Gefühl, es wird zu falschen Momenten geschmunzelt Es erschien manchmal einfach unpassend, wäre glaubhafter als ein Grinsen oder Lachen gewesen. Ich bin nicht sicher, ob es sich bei dem Wort um eine der den meisten Autoren bekannten Fallen handelt, ein bestimmtes Wort oder Redewendung gerne und häufig immer wieder und auf verschwenderische Art und Weise zu verwenden. Irgendwann ließ das ganze Schmunzeln dann auch nach und tauchte nicht wieder auf.

Die Protagonistin Mara ist ein ängstlicher, schwacher Charakter, die oft genauso unwissend in die Situationen gerät, wie der Leser mit ihr. Manchmal ist sie mir zu weinerlich, zu passiv, doch auch hier möchte ich nicht urteilen, denn ich glaube, dass die Autorin damit etwas bezweckt und sich der wahre Grund in den Folgebänden noch herausstellen wird. Hin und wieder erhascht der Leser einen Blick auf die starke N'gaja, die Seele, die Mara schon seit vielen Tausend Jahren ist. Sie ist stark, nahezu grausam und egoistisch, ganz anders als die schüchterne, verängstigt wirkende Mara, die sie in diesem Leben ist. Und irgendwie müssen diese beiden Persönlichkeiten eine Einheit ergeben, müssen sie sich nach dem großen Vergessen aneinander gewöhnen.

Fazit
Kernstaub - Über den Staub an Schmetterlingsflügeln ist kein Buch für zwischendurch. Wer es liest, sollte sich ganz darauf einlassen und keine Angst vor dicken Büchern haben. Das Ende ist überraschend und bedeutet doch nur einen neuen Anfang. Der perfekte Einstieg für den im August 2016 zur Veröffentlichung anstehenden zweiten Band mit dem Titel "Weltasche - Über das Gift an Quallenmembranen". Auch wenn ich wieder neun Monate brauchen werde, dieses Buch zu lesen, ich werde es lesen. Es ist jede Anstrengung wert!

Aktuelles über die Autorin und ihre Bücher findet Ihr auf: 

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Universe of Gods - Crowdfunding Projekt

Dieses Buch ist im Übrigen die Grundlage für die auf meinem Blog bereits vorgestellte Crowdfunding Aktion "Universe of Gods", womit der Traum eines jeden Autoren in Erfüllung gehen  und eine TV-Serie aus Marie Graßhoffs Werk entstehen soll. Mehr dazu findet Ihr in meinem Artikel "Dream Big - Von einer die auszog, die Welt zu erobern" vom 22.05.2015.

https://www.startnext.com/universeofgods




(c) Pixabay
Rezensionen sind Seelenfutter für Autoren, sie sind nicht nur wichtig, um Bücher für potentielle Leser/-innen sichtbarer zu machen, sondern sie sorgen auch für die nötige Motivation, weiterzuschreiben. Rezensionen, die ich auf diesem Blog veröffentliche, erscheinen außerdem bei Amazon, Goodreads und Lovelybooks sowie auf allen meinen Social Media Kanälen.

Kommentare:

  1. Toll geschrieben 😊
    Bin ganz gespannt auf das Buch und weiß nun zum Glück, dass es keins zum parallel lesen ist und es ganz viel eigenen Raum benötigt.

    LG Nicci Trallafitti ❤

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    1. Definitiv! Es fordert den Leser ziemlich heraus! :)

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