Samstag, 25. Juli 2015

Rezensionen - Warum? - Wie? - Wo?

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Knapp einen Monat nach Erscheinen meines Buches erwische ich mich - wie wohl alle Autoren - dabei, nach hoffentlich positiven Rezensionen zu schielen. Ich gebe zu, für "Verlorener Stern" verläuft die Bereitschaft, Rezensionen zu schreiben, etwas zäh und ich mache mir natürlich so meine Gedanken, warum das so ist.

Ist das Buch doch nicht so gut, wie ich erhofft hatte und ich habe höfliche Leser, die lieber gar nichts sagen, statt es in der Luft zu zerreißen?

Bin ich zu ungeduldig und muss den Lesern mehr Zeit geben?

Habe ich zu viele Aktionen gemacht, bei denen man das Buch gewinnen konnte? Hat darum noch keiner gelesen, weil alle hofften, doch noch ein Buch zu gewinnen statt es selbst kaufen zu müssen?

Hätte ich öfter um Rezensionen bitten sollen, Leute gezielt ansprechen und sie auffordern, ihre Meinung öffentlich zu machen?

Ich gebe zu, ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, wie andere Autoren das machen und ich frage mich immer wieder, warum gleichzeitig im Sieben Verlag erschienen Bücher bereits jetzt deutlich mehr Rezensionen abgestaubt haben als meines. Automatisch vergleicht man sich mit den "direkten Kolleginnen" und obwohl ich mich eigentlich dagegen sträube, passiert es, dass Konkurrenzdenken einsetzt. So ein Quatsch! Aber gegen den ersten Impuls kann man nichts tun.

Die Sorge, zu aufdringlich rüberzukommen, hält mich davon ab, ständig nach Rezensionen zu betteln, doch ich gebe zu, für einen Neuling wie mich ist es verdammt schwer, die Füße stillzuhalten. Die erste Rezension auf dem Blog "Bücherfunke" zu entdecken, war einfach nur aufregend. Mein Herz klopfte bis zum Hals, mein Mund wurde trocken, die Handflächen dafür um so feuchter. Die Spannung, was man wohl von "meinem Baby" halten würde, war nahezu unerträglich. Umso berauschender wurde es dann, als ich mit jedem weiteren Satz entdeckte, dass "Verlorener Stern" und die darin enthaltenen Charaktere offenbar auf Gegenliebe gestoßen waren. Ich jauchzte und jubelte, tanzte virtuell auf dem Tisch (ich war im Büro, also habe ich es nicht wirklich ausgelebt), schwebte auf Wolken und wollte die Welt umarmen. Diese Euphorie macht süchtig. Einmal erlebt, will man mehr! Doch dann beginnt das lange Warten. Und da ist ja auch immer noch die Angst vor der ersten niederschmetternden Reaktion eines Lesers, dessen Geschmack man so gar nicht getroffen hat. Einerseits will man was hören, andererseits auch wieder nicht. Aaaaah!

Mittlerweile habe ich schon ganz tolle private Kontakte zu Leserinnen gehabt, die mir auf teilweise höchst fantasievolle Art und Weise positives Feedback zu meinem Buch gegeben haben, Ein besonderes Highlight war da sicher die PN, die mir Daniela H. im Namen meines Buches schickte. Die hat mich zu einem solch breiten Grinsen verleitet, das sich tagelang auf meinem Gesicht von einem Ohr zum anderen festsetzte, dass ich euch den Inhalt nicht vorenthalten möchte:

"Hallo, hier meldet sich eines deiner Bücher, mit deiner Geschichte... Ich wurde nicht auf den berühmten SuB gelegt, sondern direkt in das Schlafzimmer zum abendlichen Lesen gesteckt. Die Insel der außergewöhnlichen Kinder, war grade durch.
Wie versprochen durfte ich direkt deine Geschichte erzählen. Bisher ist sie etwas mehr als bis zur Hälfte, trotz arbeiten und Alltag, und ich liege nicht auf dem Sub. Ich sehe viel, da sie die Angewohnheit hat, fast immer ein Buch mit sich rumzuschleppen. Ich war so bereits in Bus und Bahn unterwegs, habe ihre Arbeit gesehen und wurde in Cocktailbars durch die Hände ihrer Mädels gereicht. Abends chillen wir gemeinsam auf der Couch, auf dem Balkon oder in der Badewanne. Gestern waren wir mitten in der Stadt, wo ein Strand aufgebaut war. Auch wenn ich so einige Gebrauchsspuren bekomme, so bin ich doch in der Welt unterwegs, und das ist hoffentlich das, was du dir gewünscht hast. LG, eins deiner Exemplare, die die Welt bereisen dürfen."

Foto mit freundlicher Genehmigung von Daniela

Warum, so fragen sich einige Leserinnen und Leser nun sicher, will sie trotzdem über Rezensionen reden, wo sie doch so tolles Feedback bekommt? 

Ganz einfach: Feedback ist toll für die Autorenseele, Wer den Autoren direkt anspricht, ist lieb, höflich, freundlich, oft kommt man darüber auch miteinander intensiver ins Gespräch und es ist eine wirklich tolle Erfahrung! Ich möchte das nicht missen und jeder, der mir schreiben möchte, ist herzlich eingeladen, dies zu tun! 

Aber ein solches Feedback sehe nun mal nur ich und hilft somit nicht dabei, anderen bei der Kaufentscheidung für das Buch zu helfen. Und ja, darum geht es halt doch irgendwie unterm Strich. Man möchte sein Buch auch gern verkauft wissen. Gerade als unbekannter Autor steht man vor dem Dilemma, dass sich viele potentielle Leserinnen und Leser abschrecken lassen, weil sie nicht wissen, was sie erwartet. Wenn dann auch noch kaum Rezensionen zu dem Buch zu lesen sind, wird schnell weitergeklickt. 

Darum die Bitte, die ich im Namen aller Autorinnen und Autoren, die am Anfang ihrer Karriere stehen, ausspreche: Bitte schreibt öffentliche Rezensionen, wir brauchen sie und Ihr helft anderen, noch unentschlossenen Buchinteressenten. 

Viele scheuen sich davor, Rezensionen zu schreiben mit der Begründung "Ich bin doch kein Blogger, Ich weiß nicht, was ich schreiben soll." Darum möchte ich an dieser Stelle mal mit ein paar Vorurteilen aufräumen: 

  • Jeder kann eine Rezension schreiben, egal ob man nun Blogger oder Vielleser ist oder nur ab und zu liest. 
  • Jeder, der ein Buch gelesen hat, hat am Ende eine Meinung zum Buch. Und genau die ist es, die in eine Rezension reingehört. Das müssen keine seitenlangen Abhandlungen sein mit Inhaltsangabe und Analyse. Zwei, drei ehrliche Sätze genügen, um dem Buch eine Wertung zu verleihen, die anderen bei der Entscheidung für oder auch gegen den Kauf helfen kann. 
  • Eine Rezension muss natürlich öffentlich sein. Wer die Öffentlichkeit scheut, muss dafür seinen wahren Namen nicht angeben, sondern kann einen Nickname verwenden. 
  • Eine Rezension ist am hilfreichsten, wenn sie bei Amazon eingestellt wird. Selbst Leute, die dort nicht kaufen, holen sich oft ihre Inspiration von der Seite des Buchriesen. Dort kann man auch dann eine Rezension hinterlassen, wenn man das Buch nicht bei ihnen gekauft hat. Andere Plattformen und Shops bieten sich ebenfalls für Rezensionen an, Lovelybooks, Good Reads, andere Online-Buchhandlungen und nicht zuletzt die Webseite des Autoren selbst können dafür genutzt werden. 

Die meisten Rezensionsplattformen nutzen Sterne- oder Punktesysteme, um die Bewertungen auf einen Blick deutlich zu machen. Es gibt viele Diskussionen darüber, ob das sinnvoll ist oder nicht. Auch ich finde eigentlich, dass eine 5-Sterne-Rezi nur dann gerechtfertigt sein sollte, wenn das Buch den Leser absolut aus den Socken gehauen hat, wenn er das Buch nicht aus der Hand legen konnte und die Nacht zum Tag gemacht hat, um mit den Protagonisten mitzufiebern. Und wenn dann zusätzlich im Buch auch alles handwerklich richtig gemacht wurde, wie z. B. das Cover, die Rechtschreibung, die Schreibweise, usw. Ich persönlich finde auch eine 4-Sterne-Rezi noch bombastisch. Ein ungutes Gefühl würde bei mir ab 3 Sterne aufkommen, denn dann scheint das Leseerlebnis des Lesers wirklich nur durchschnittlich gewesen zu sein.

Fakt ist aber leider, dass das Sternesystem zum Selbstläufer geworden ist. Eine Rezension schlechter als fünf Sterne gilt als schlecht. Viele potentielle Käufer des Buchs lesen die Rezensionen gar nicht, sondern zählen nur die Sterne. Ist da schon zu oft "nur" eine 4-Sterne-Rezi, fällt das Buch durch. Finde ich nicht gut, kann es aber leider auch nicht ändern. 

Damit bettele ich nun nicht um garantierte fünf Sterne, ich möchte nach wie vor, dass mein Buch ehrlich bewertet wird, trotzdem bitte ich darum, vor der Vergabe von Sternen es wirklich ehrlich zu meinen und sich darüber bewusst zu sein, welche Auswirkungen dieser kleine Klick haben kann. Reine Textrezensionen wären ehrlicher, denn dann würde auch das gesehen werden, was positiv war, nicht nur das Negative, was durch alles unter fünf Sternen ja so offensichtlich vorhanden sein musste. Ich hoffe, dass dieses ganze Rezensionssystem irgendwann mal überarbeitet und besser geregelt wird. Aber so lange es so ist, zittern wir Autoren vor der Macht der Sterne. 

Und das, finde ich, ist für mein Buch mit dem Titel "Verlorener Stern" doch ein wirklich schönes Schlusswort. :) 

Allen Leserinnen und Lesern da draußen wünsche ich wunderschöne Lesestunden! Und wenn Ihr das nächste Mal das Wörtchen "Ende" lest, dann gebt euch einen Ruck und hinterlasst eine Rezension. Wir Autoren werden es euch danken! :)