Freitag, 12. Juni 2015

Wann ist ein Like ein Like?


Nun bin ich seit über sechs Jahren bei Facebook und habe so ziemlich jeden Hype seitdem mitgemacht. Ich war farmvillesüchtig und habe bunte Schafe und exotische Bäume gezüchtet, habe als Vampir mein Unwesen in längst in Versunkenheit geratenen Spielen getrieben und habe meine ersten veganen Schritte unter Begleitung von veganen Gruppen und Facebookseiten gemacht. Kein Wunder also, dass Facebook mich auch auf dem Weg als Autorin von Anfang an begleitet hat. Obwohl ich auch bei G+ und Twitter vertreten bin, muss ich zugeben, dass ich mich bei Facebook am ehesten wohl fühle und hier auch am meisten unternehme, das Publikum ist eher meins als bei G+, und Twitter ist mir einfach zu kurzlebig und oberflächlich.  

Wer sich nun fragt, warum ich glaube, über ausreichend Wissen zu verfügen, dass es sich lohnt, es zu teilen, tut das natürlich zu recht. Zur Erklärung kann ich anmerken: Ich war schon immer sehr interessiert an allem, was mit Computern zu tun hat, habe in den Jahren 2003-2004 nebenher ein Onlinestudium für Webdesign und Multimedia absolviert und mich stets tiefergehend mit der Materie beschäftigt als vielleicht der Otto-Normal-User. Wahrscheinlich ist es mir daher auch möglich, Facebook und seine kleinen Tricks und Kniffe leichter zu verstehen.  

Für alle, die sich nicht so intensiv mit den sozialen Medien beschäftigen möchten, habe ich mir überlegt, schreibe ich mal meine Erfahrungen hier auf.  

Vokabular: Eine Profilseite ist personenbezogen, eine (Fan-)Seite ist sachbezogen 

Zunächst mal etwas Grundlegendes, denn viele kennen den Unterschied nicht: Bei Facebook kann man neben seiner Profilseite auch eine Seite erstellen, die z. B. ein berufliches Interesse, ein Hobby oder einen Verein zum Inhalt hat. Jeder der sich bei Facebook registriert, erhält automatisch eine Profilseite, aber nur wer aktiv eine (Fan-)Seite erstellt, ist auch in dieser Form noch bei Facebook zu finden.  
Das Profil ist personenbezogen, hier findet man Freunde, indem man eine Freundschaftsanfrage (FA) verschickt oder selbst zugesendet bekommt und diese gegenseitig akzeptiert oder auch ablehnt. In den Einstellungen findet man auch noch die Möglichkeit, Fremden zu erlauben, das Profil zu "Abonnieren". Dann erscheint ein Knopf "Abonnieren" neben dem Knopf "Freund/-in hinzufügen". 

Liken, abonnieren oder Freundschaftsanfrage, drei Wege der Kontaktaufnahme mit unterschiedlichen Auswirkungen 

Der Unterschied ist folgender: Sobald jemand meinem Profil eine FA schickt, werde ich gefragt, ob ich den- oder diejenige kenne und kann die Freundschaft bestätigen oder ablehnen. Bestätige ich, sieht derjenige alles, was ich poste, auch das, was ich nur Freunden zugänglich mache, und umgekehrt. Dies gilt übrigens auch für alle in der Vergangenheit gemachten Posts. 

Abonniert jemand mein Profil, sieht derjenige alles, was ich öffentlich poste, nicht jedoch die Posts, die ich nur für Freunde freigebe. Ich selbst sehe die Posts des Abonnenten nicht.  

Die Möglichkeit des Abonnierens eines Profils macht also dann Sinn, wenn man auch Fremden etwas zu sagen hat, ohne sie gleich als Freunde akzeptieren zu wollen. Der Profilbesitzer erhält keine Benachrichtigung darüber, ob und wer ihn abonniert. Andersherum macht es Sinn, jemanden zu abonnieren, den man nicht kennt, dessen Person einen aber generell interessiert. Auf mich selbst bezogen habe ich diese Möglichkeit erst aktiviert, nachdem ich als Autorin tätig wurde und Leuten die Möglichkeit geben wollte, meine Aktivitäten in dieser Hinsicht zu verfolgen. Ich selbst habe einige "berühmte" Persönlichkeiten abonniert, um zu sehen, was sie so zu sagen haben, ohne gleich mit FAs zu nerven.  

Eine (Fan-)Seite ist sachbezogen, bei mir handelt sie vom Thema Schreiben, Autor sein und natürlich geht es darum, mein Buch bekannt zu machen. Eine Seite kann man auch abonnieren, das geht über den "Gefällt mir"-Knopf. Der Seitenbesitzer erhält zwar eine Nachricht, dass die Seite geliked wurde, aber er kann weder diese Anfrage ablehnen noch sieht er daraufhin automatisch Posts des Likers. 

Sichtbarkeit im Netz - nur was man liked und kommentiert, sieht man auch. 

Seiten sind weniger sichtbar als Profile, weil man mit dem Profil automatisch aktiver ist und die Seite erst gezielt gefunden werden muss. Manche verzichten daher ganz auf die Seiten, andere - wie ich - haben beides. Darum sehen manche meine Posts vielleicht doppelt, weil sie einmal auf der Seite und einmal auf dem Profil erscheinen. Es erhöht einfach meine Sichtbarkeit  

Wo genau erscheinen nun die Posts, die ich auf meiner Seite oder meinem Profil einstelle bei denen, die mit mir befreundet sind oder die mich abonniert haben?  

Zunächst einmal erscheinen meine Posts auf deren Timeline. Das ist die Seite, die man als erstes sieht, wenn man sich bei FB einloggt. Hier werden alle Aktivitäten von Freunden, Gruppen und gelikten Seiten chronologisch untereinander angezeigt. ABER: Facebook sortiert aus. Das kann man mögen oder nicht, ändern kann man es nicht. Man kann nur aktiv daran arbeiten, das gezeigt zu bekommen, was man sehen will.  

Facebook sortiert aus - doch das kann man beeinflussen. 

Die Vorsortierung ist ziemlich willkürlich, trotzdem kann man dafür sorgen, bestimmte Sachen häufiger zu sehen als andere.  

Erster Grundsatz: Je mehr man mit einem Profil, einer Seite oder einer Gruppe interagiert, umso sichtbarer werden diese für einen selbst. Wer also häufig mit FB-Freundin Lieschen Müller Kommentare und Likes austauscht, bei FB-Freund Peter Meier aber lieber vornehme Zurückhaltung betreibt, wird Lieschen Müllers Aktivitäten deutlich häufiger zu Gesicht bekommen. Genau so ist es bei Seiten und Gruppen. Je häufiger man dort aktiv mitmischt, um so häufiger werden die Inhalte dieser Seiten auf der Timeline erscheinen. Ist also eine Seite oder Gruppe besonders interessant, ist es wichtig, nicht nur einmalig auf "Gefällt mir" zu klicken, sondern auch häufiger gezielt auf einzelne Posts zu reagieren, damit Facebook lernt, dass mir diese Seite wirklich wichtig ist.  

Natürlich kann man jederzeit auch eine Seite, Profil oder Gruppe direkt ansteuern, aber leider geht das oft angesichts der großen Zahl von Likes unter, die man in so einem FB-Leben hinterlässt.  

Zweiter Grundsatz: Sagt Facebook, wenn Ihr etwas nicht sehen wollt. Dazu gibt es die Möglichkeit, auf den kleinen Pfeil rechts neben den einzelnen Beiträgen zu klicken und dort auf "Ich möchte das nicht sehen" zu klicken. Facebook lernt bei häufiger Anwendung dieses Filters, was man sehen will und was nicht.  

Spieleanfragen - nicht davon nerven lassen, sondern abschalten 

Drittens besteht noch die Möglichkeit, einzelne Apps (= Spiele und andere Anwendungen) auszuschließen. Ballert euch Hans Mustermann mit seinen Meldungen über seine Candy Crush Saga-Errungenschaften zu, müsst Ihr euch die nicht jedesmal durchlesen. Klickt auf den oben bereits erwähnten Pfeil neben dem ungeliebten Beitrag und sagt "Alles von Candy Crush Saga verbergen". Ab sofort seht ihr nichts mehr, was mit diesem Spiel zu tun hat.  

Genauso ist es übrigens mit den Benachrichtigungen, also den Hinweisen, die unter dem Globussymbol gegeben werden, wenn jemand etwas liked, kommentiert oder teilt. Neben der Benachrichtigung ist ein kleines Kreuz zu sehen, sobald man mit der Maus darüber fährt. Klickt dort drauf, um Benachrichtigungen dieser Art abzubestellen. Also keine "Lieschen schickt dir eine bunte Farmville-Kuh" Meldungen mehr und alle sind glücklich.  

An dieser Stelle möchte ich auch mal an alle Nicht-Spieler appellieren, etwas mehr Verständnis für diejenigen zu haben, die bei Facebook gerne spielen. Die Anwendungen sind so aufgebaut, dass man nicht verhindern kann, Freunden solche Benachrichtigungen zu schicken, wenn man selbst im Spiel vorankommen möchte. Darum bringt eurem Facebook bei, was IHR wollt und verlangt nicht von Freunden, etwas nicht zu schicken, worüber sie keine Gewalt haben.  

Den Spielern möchte ich noch den Tipp an die Hand geben, mit Freundschaftsgruppen zu arbeiten. Erstellt in eurer Freundesliste Untergruppen für die Spiele, die Ihr spielt und packt diejenigen dort hinein, die das Spiel ebenfalls spielen. Wenn dann aus dem Spiel heraus etwas gepostet werden soll, könnt Ihr gezielt nur die Mitspieler auswählen, ohne andere damit zu belästigen. Das funktioniert zumindest bei einigen Spielen und einigen Anfragen, die daraus verschickt werden.  

Und zum Schluss noch die Weisheit des Tages: Facebook nutzt (fast) niemand, weil er dazu gezwungen wurde. Wir nutzen es für unsere eigenen Zwecke, jeder hat seinen eigenen Grund. Vergessen sollten wir dabei aber niemals, dass es vorrangig Spaß machen soll. Also seid entspannt, scrollt über die Beiträge, die euch nerven hinweg und meldet solche, die wirklich kriminell, missbräuchlich, Spam oder sittenwidrig sind. Aufregen sollte uns das, was wir hier sehen, nur im positiven Sinne.  

I Like U! (y)

Foto: Pixabay.com

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